17.11.2020 18:37 |

In Berg-Karabach

Aserbaidschans Präsident Alijew auf Triumphzug

Nach dem Waffenstillstand in Berg-Karabach hat Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew die von Armenien zurückeroberten Gebiete in der Kaukasusregion besucht. Zusammen mit seiner Frau begab er sich auf einen Triumphzug durch mehrere Städte, wie auf Foto- und Videoaufnahmen zu sehen war, die sein Büro am Dienstag veröffentlichte. Nach sechswöchigen Kämpfen hatten sein Land und Armenien am 9. November unter russischer Vermittlung ein Waffenstillstandsabkommen geschlossen. 

Alijew bejubelte das Abkommen in der vergangenen Woche als „Kapitulation“ des Gegners. Das Abkommen sieht vor, dass beide Kriegsparteien jene Gebiete behalten dürfen, in denen sie derzeit die Kontrolle haben - für Armenien bedeutet das große Gebietsverluste. Kurz nach der Waffenruhe hatten einige betroffene armenische Dorfbewohner ihre Häuser verlassen und angezündet.

Aserbaidschan griff auch zivile Ziele an
In dem veröffentlichten Video kündigte Alijew an, er werde die für die Zerstörungen in der Region verantwortlichen Armenier vor „internationale Gerichte“ bringen. Das Vorgehen der aserbaidschanischen Armee in dem bewaffneten Konflikt löste international eine Welle der Empörung aus, weil Alijew auch zivile Ziele bombardieren ließ, wie etwa eine Kirche in der Stadt Shushi. 

Kein autonomer Status für Berg-Karabach
Der Staatschef besuchte in Militärkleidung Städte, die von aserbaidschanischen Truppen zurückerobert worden waren. Seine Ehefrau Mehriban Alijewa, die Vize-Präsidentin Aserbaidschans ist, begleitete ihn. In einem Video sagte der Staatschef, während er am Steuer eines gepanzerten Fahrzeugs saß: „Wir sind zurück in unserem Vaterland“, und fügte hinzu, dass es keinen autonomen Status für Berg-Karabach geben werde. „Aserbaidschan ist ein geeintes Land“, sagte er weiter. Das Video zeigte auch jubelnde Menschenmengen.

Berg-Karabach hatte während des Zerfalls der Sowjetunion einseitig seine Unabhängigkeit erklärt. Darauf folgte in den 90er-Jahren ein Krieg mit 30.000 Todesopfern. Die selbst ernannte Republik wird bis heute international nicht anerkannt und gilt völkerrechtlich als Teil Aserbaidschans. Sie wird aber mehrheitlich von Armeniern bewohnt. Die Kämpfe waren Ende September wieder voll entbrannt. Seither wurden nach Angaben beider Seiten mehr als tausend Menschen getötet.

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