06.11.2020 06:37 |

Texaner als Biden-Fan

Kärntner Amerikaner im Interview über die US-Wahl

Sean Mann verfolgte in Kärnten die Wahlen in seiner Heimat mit. Der Amerikaner studiert in Klagenfurt Medienwissenschaft, wohnt in Feldkirchen und hat bei der Briefwahl für Joe Biden gestimmt. Der Texaner ist froh, wenn Donald Trump endlich abdankt.

„Krone“: Das Zählen der Stimmen dauert endlos lange, wie fiebert ein Amerikaner in Kärnten bei dieser Wahlschlacht mit?
Sean Mann:
Das Endergebnis gibt es wirklich sehr spät, aber alles nimmt einen guten Weg.

Sie stammen aus dem Bundesstaat Texas, in dem Donald Trump gewonnen hat, mit den Bushs auch zwei republikanische Präsidenten herkommen. Wie haben Sie an der Wahl teilgenommen?
Ich habe per Briefwahl abgestimmt. Auch wenn ich aus Dallas bin, habe ich mich ohne Zweifel für den demokratischen Kandidaten Joe Biden entschieden. Das war für mich ganz klar.

Trump sagte, es ist die wichtigste Wahl in der Geschichte Amerikas ...
Das ist sie wirklich. Trump schert sich nicht um Gesetze, will um jeden Preis Präsident bleiben. Wichtig ist es vor allem für die, die ihn aus der Präsidentschaftskanzlei bringen wollen.

Trump akzeptiert offenbar keine Stimmenzählung, ruft jetzt die Gerichte an.
Das tut er definitiv. Er ist kein guter, sondern ein ganz schlechter Verlierer. Die Gerichte werden hoffentlich schnell entscheiden. Zuletzt mussten sie bei Al Gore und George Bush im Jahr 2000 eingreifen. Ich kann nur den Kopf schütteln.

Können Sie erklären, warum es in Amerika tagelang dauert, bis die Wahl ausgezählt ist?
Die Staaten zählen alle unterschiedlich aus. Man kann die Stimmen der Briefwahl grundsätzlich maschinell zählen. Bei einigen Staaten geht’s blitzartig, manche brauchen lange.

Sie sagen, Sie haben Biden gewählt. Er müsste also viele Dinge gerade richten.
Ganz klar. Die USA traten aus der Weltgesundheitsorganisation aus – das war nur die Laune von Trump!

Das Wahlmänner-Prinzip wird stets kritisiert. Wie stehen Sie zu diesem als veraltetet bezeichneten System?
Es gehört wirklich erneuert. Europa hat fairere Regeln. Auch bei uns in den USA sollten wie in vielen westlichen Ländern fünf bis sechs Parteien zur Wahl antreten, nicht nur zwei. Die Kandidaten müssen jünger werden. Barack Obama etwa hat großartig regiert.

Christian Tragner
Christian Tragner
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