21.10.2020 13:44 |

Einfacher, schneller

Coronavirus-Nachweis: „LAMP“-Methode steht bereit

Erfolgreich auf seine Genauigkeit getestet worden ist nun der sogenannte RT-LAMP, der von Wiener Forschern entwickelt wurde. Dieser ermöglicht einen einfachen und raschen Nachweis des Erbguts des neuartigen Coronavirus ohne großen Geräteaufwand. Ab Mittwoch werden erste Krankenhäuser auf die Anwendung geschult.

Überprüft wurde das Verfahren seitens der AGES. 100 Routineproben wurden parallel mit mehreren PCR-Methoden getestet und dann die gleiche Probe zeitgleich mittels „LAMP“ - die Ergebnisse hätten „absolut gepasst“, so die Entwickler. Bei dem Verfahren geht es - wie auch beim PCR-Test - um den direkten Nachweis des Erbguts des Virus. Der Unterschied: Im Gegensatz zum PCR-Test sind hier keine Hightech-Laborgeräte notwendig.

Ist Virus-Erbgut in der Probe, wechselt die Farbe
Die Probe, gewonnen durch einen Abstrich oder eine Gurgellösung, kommt in Kontakt mit einem speziellen Reagenz. Eine aufwendige Vorbehandlung ist nicht notwendig. Die notwendige Vervielfältigung des Virus-Erbguts erfolgt durch Enzyme bei einer konstanten Temperatur um 63 Grad Celsius. Ist Virus-Erbgut in der Probe, wechselt die Farbe.
Beim PCR-Test hingegen muss ein komplexer und exakter Wechsel der Temperatur eingehalten werden, was nur mit Spezialgeräten bewerkstelligt werden kann und etwa drei bis vier Stunden dauert.

Aktuell geht es jedoch vor allem darum, Menschen zu erkennen, die gerade infektiös sind und das Virus tatsächlich weitergeben können - der PCR-Test sei dafür fast zu genau, so die Forscher. So schlägt er bekanntlich auch mitunter auch Wochen nach einer überstandenen Infektion an. „Unsere Methode kann wirklich die infektiösen oder ,gefährlichen‘ Personen detektieren“. Hier liege der Vorteil des einfacheren, schnelleren und billigeren Ansatzes, der „parallel zur PCR-Methode eine große Anwendung finden kann“, zeigte sich Molekularbiologin Andrea Pauli überzeugt. So können nun auch Krankenhäuser und Labore, die bisher keine Diagnostik durchführen konnten, eine Erbgut-Anreicherung machen.

Preis pro Testreaktion bei rund 20 Cent
Die Wissenschaftler können mittlerweile die notwendigen Enzyme selbst herstellen und stellen den gesamten Ansatz offen zur Verfügung („Open Access“). So liege der Preis pro Testreaktion bei rund 20 Cent, erklärte Pauli. Neben Spitälern seien solch kleine LAMP-Stationen etwa auch in Pflegeheimen zum „qualitativ hochwertigen“ Screening von Besuchern - ähnlich den in der Regel weniger genauen Antigen-Tests - geeignet.

Zwei Methoden in Startlöchern
Mit „Simple LAMP“ und „beadLAMP“ haben die Forscher zwei derartige Methoden am Start. Dazu kommt noch ein sehr ähnlicher Ansatz, der unabhängig davon an der Klinik Donaustadt (vormals Donauspital/SMZ Ost) entwickelt wurde und seit Kurzem in Wien in den „Cluster Buster Bussen“ eingesetzt wird. „Simple LAMP“ sei für Einzeltestungen hinreichend sensitiv, möchte man aber sogenannte Pools - sprich mehrere Personen gleichzeitig, wie etwa ganze Haushalte - testen, sei die noch genauere „beadLAMP“-Methode vermutlich besser, so die Experten. Bei letzterer Methode startet man mit bereits angereicherter Virus-RNA in die dann rund zehn Minuten längere Gesamtanalyse.

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