15.10.2020 20:00 |

Konkurrenz für Steirer

Tiroler sorgt mit Kürbiskernöl für Begeisterung

Christian Reich hat eine Nische in der Landwirtschaft gesucht und gefunden. Der Silzer ist der einzige Produzent von Kürbiskernöl in Tirol. Sein „schwarzes Gold“ ist gefragt und hat auch schon die alteingesessenen steirischen Kollegen verblüfft: mit der Goldmedaille bei der „Ölkaiser-Prämierung“ in Wieselburg. 

Vielleicht die letzten halbwegs warmen Tage heuer, Tausende Kürbisse warten auf dem Acker neben den Bahngleisen in Silz auf die Ernte. Aber was macht man mit so vielen Kürbissen? „Wir wollten auf unserem ,Wendls Hof’ neue Wege gehen“, sagt Christian Reich, „von Tabak bis Pfefferoni haben wir so ziemlich alles ausprobiert. Doch nichts davon schien uns für den Aufbau eines Unternehmens geeignet.“

Dann der „folgenschwere“ Versuch mit dem Gleisdorfer Ölkürbis, einer alten Sorte. Die ersten Gehversuche, Kürbiskernöl in Tirol zu produzieren, waren vielversprechend. Elisabeth und Christian Reich wagten das Experiment und „importierten“ eine Erntemaschine, die den Steirern „zu klein“ geworden ist. Und eine Waschmaschine. Die Nachfrage war umwerfend. Heute wissen die Reichs, die Ernte ist schon verkauft, bevor sie im Laden steht, denn das „schwarze Gold“ ist sehr begehrt!

Den steirischen Bauern das Wasser reichen
Es sei allerdings schon eine aufwendige Geschichte, sagt der „Ölbaron“. Für einen Liter Kernöl werden 30 bis 40 Kürbisse benötigt und auf einem Hektar wachsen über 20.000 solche „Ölquellen“. Das Selektieren der Kerne übernimmt die alte, mechanische Maschine. Diese kommen anschließend in eine Waschmaschine und werden nach der Trocknung abgesackt. Gepresst wird in Bayern.

„Obwohl die Kunden vom Öl schwärmen, beschäftigte mich die Frage, wie denn die Qualität im Vergleich mit den steirischen Profis ist“, erinnert sich Reich. So stellte man sich 2019 dem Qualitätstest bei der „Ölkaiser-Prämierung“ in Wieselburg. Das Resultat hatte die Silzer verblüfft: Ihr „Tiroler Kernöl“ erreichte 49 von 50 Punkten und eine Goldmedaille gab’s obendrauf. Nun wusste man, dass man den steirischen Profis das Wasser reichen kann.

Innovation mit einem Nebenprodukt
Nun kam eine weitere goldene Idee: „Nach dem Pressen der Kerne bleibt als Nebenprodukt der sogenannte Presskuchen übrig“, erläutert Reich. „Statt diesen den Tieren zu verfüttern, probierten wir, ihn fein zu mahlen und den Nudeln beizumengen.“ Die ersten Tiroler Kürbiskernnudeln waren somit geboren. Mit der Anbaufläche seien die Nebenerwerbsbauern am Plafond, aber die Forcierung der Möglichkeiten mit dem Kürbismehl sei durchaus ein Ziel. „Unsere klein strukturierte Landwirtschaft hat die besten Chancen in Nischen“, sagt Reich, „dazu möchte ich auch meine Kollegen ermutigen.“

Hubert Daum
Hubert Daum
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