13.10.2020 16:41 |

Firmen skeptisch

SPÖ will Mindestlohn für alle

1700 Euro netto als unterste Einkommensgrenze fordert die SPÖ Burgenland jetzt nicht nur für das Burgenland, sondern bundesweit. „Der Mindestlohn muss möglichst bald in ganz Österreich bezahlt werden“, erklärt SPÖ-Landesgeschäftsführer Roland Fürst. Finanziert werden soll das Ganze durch Vermögenssteuern.

Davon können zurzeit viele nur träumen: 1700 Euro jeden Monat auf die Hand zu bekommen, ist im „reichen“ Österreich lange nicht selbstverständlich. Rund 15 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten verdienen nicht einmal 1700 Euro brutto, rechnet die SPÖ vor. 420.000 Beschäftigte müssen also mit 1350 Euro im Monat auskommen. „Davon können die Menschen schlichtweg nicht leben. Sie müssen oft einen Zweit- oder Dritt-Job annehmen und leben an der Armutsgrenze“, ärgert sich Fürst. „Mindestlohn für alle“, lautet daher die Forderung der Sozialdemokraten.

Im Landesdienst sowie in den landesnahen Betrieben gilt die Untergrenze bereits für 866 Menschen. Kommendes Jahr werden es mehr werden, wenn die Gemeinden nachziehen müssen. Der Wunsch der SPÖ, auch in der Privatwirtschaft die Gehälter anzupassen, stieß bisher auf wenig Gegenliebe. „Der politische Widerstand kommt direkt aus der Wirtschaftskammer, wo das durchschnittliche Gehalt bei 4000 Euro netto liegt“, wettert Fürst. Er ist überzeugt, dass die Untergrenze auch in schwierigen Zeiten umsetzbar sei. Mit Vermögenssteuern ab einer Million Euro soll die Initiative finanziert werden. Auch die Lohnnebenkosten für Klein- und Mittelbetriebe sollen gesenkt werden.

Dass es möglich ist, beweist Star-Koch Max Stiegl vom Gut Purbach. Er fordert – wie berichtet – mehr Geld für die gesamte Gastrobranche und zahlt selbst bereits 1700 Euro netto.

Für die Wirtschaft ist die Forderung eine Kampfansage. Die Hoteliervereinigung hält es für „unkollegial“, Lohnerhöhungen zu fordern, während Betriebe nicht wüssten, ob sie nächstes Monat noch aufsperren können. Fürst rät man, einen „Reality-Check“ zu machen. „Jede Belastung kostet Arbeitsplätze“, heißt es.

Auch die Wirtschaftskammer reagiert verärgert: Die von der SPÖ angegebenen Gehaltszahlen seien erfunden, hier werde mit der Schmutzkiste gearbeitet. „Es wird ein Niveau unterschritten, das unerträglich ist“, so Präsident Peter Nemeth. Zudem: Aktuelle Ausschreibungen einer landesnahen Therme würden ein Gehalt weit unter den propagierten 1700 Euro netto offerieren, heißt es.

Christoph Miehl, Kronen Zeitung

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