27.09.2020 12:37 |

Tote und Verletzte

Aserbaidschan: Schwere Kämpfe in Unruheregion

In der Konfliktregion Berg-Karabach im Südkaukasus ist es zwischen den verfeindeten Ländern Aserbaidschan und Armenien nach Angaben beider Seiten zu schweren Gefechten gekommen. Die Hauptstadt Stepanakert sei beschossen worden, die Menschen sollten sich in Sicherheit bringen, teilten die Behörden in Berg-Karabach am Sonntag mit. Zahlreiche Häuser in Dörfern seien zerstört worden. Es soll zahlreiche Verletzte und rund zehn Tote unter den Soldaten in dem Südkaukasus-Gebiet geben. Berg-Karabach verkündete daraufhin eine Generalmobilmachung und das Kriegsrecht. Es handelt sich um die schwerste Eskalation seit Jahren.

Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld für die Gefechte. Der Beschuss habe am frühen Morgen von aserbaidschanischer Seite begonnen, schrieb der armenische Regierungschef Nikol Paschinjan auf Facebook und Twitter. Aserbaidschan habe einen Raketen- und Luftangriff auf Artsakh (Berg-Karabach) durchgeführt. „Friedliche Ansiedelungen wie Stepanakert“ seien angegriffen worden. Armenien habe daraufhin zwei Hubschrauber und drei unbemannte Luftfahrzeuge vom Himmel geholt sowie drei Panzer zerstört.

„Die gesamte Verantwortung dafür hat die militär-politische Führung Aserbaidschans“, teilte die Sprecherin des Verteidigungsministeriums von Armenien mit. Eriwan habe deshalb Hubschrauber und Kampfdrohnen eingesetzt. Zuvor habe die aserbaidschanische Armee die mehrheitlich von Armeniern bewohnte Region am frühen Sonntagmorgen bombardiert, erklärten pro-armenische Rebellen. Aserbaidschan betonte, es handle sich um eine Gegenoffensive an der Frontlinie.

Laut russischen Nachrichtenagenturen gab das aserbaidschanische Verteidigungsministerium bekannt, eine Militäroperation entlang der „Kontaktlinie“ gestartet zu haben, einem stark verminten Niemandsland zwischen den beiden Staaten. Zudem bestätigte die Behörde den Abschuss eines Hubschraubers. Armenien setzt auf Russland als Schutzmacht, die dort Tausende Soldaten und Waffen stationiert hat.

EU-Ratschef und Europarat fordern Ende der Gefechte
EU-Ratschef Charles Michel und der Europarat haben Armenien und Aserbaidschan dazu aufgefordert, die Gefechte in der Konfliktregion sofort zu beenden. Michel zeigte sich in einem Tweet am Sonntag tief besorgt. „Um eine weitere Eskalation zu verhindern, müssen militärische Handlungen dringend aufhören.“ Der einzige Ausweg sei die unverzügliche Rückkehr zu Verhandlungen ohne Vorbedingungen. Europarat-Generalsekretärin Marija Pejčinović Burić erklärte, beide Länder sollten Verantwortung übernehmen und Zurückhaltung üben.

Fast 30 Jahre währender Konflikt
Die beiden Kaukasus-Staaten Armenien und Aserbaidschan befinden sich seit fast 30 Jahren in einem Konflikt um die Kontrolle über die Region Berg-Karabach. Der Konflikt ist in den letzten Monaten wieder aufgelodert, schreibt die BBC. Im Juli kam es an der Grenze zwischen den verfeindeten Republiken zu schweren Gefechten, die Kämpfe lagen jedoch Hunderte Kilometer nördlich von Berg-Karabach. Stark aufgeflammt war der Konflikt zuletzt 2016. Dabei starben mehr als 120 Menschen.

Die von Armenien kontrollierte Region Berg-Karabach gehört völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. Baku hatte in einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die Kontrolle über das von christlichen Karabach-Armeniern bewohnte Gebiet verloren. Seit 1994 gilt in der Region eine Waffenruhe, die aber immer wieder gebrochen wurde. 1991 rief Berg-Karabach seine Unabhängigkeit aus, international wird das Gebiet jedoch bis heute nicht als eigenständiger Staat anerkannt.

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