21.09.2020 16:09 |

Fallzahlen steigen

München schränkt öffentliches Leben wieder ein

In den letzten Wochen hat sich München zu einem Coronavirus-Hotspot in Deutschland entwickelt. Nun sieht sich die Landesregierung gezwungen, das öffentliche Leben wieder einzuschränken. Ab Donnerstag dürfen sich in der Regel nur noch fünf Menschen treffen - auch im Freien -, private Feiern werden begrenzt, für einige öffentliche Plätze gilt eine Maskenpflicht, wie der Krisenstab der bayrischen Stadt am Montag beschloss.

Ausschlaggebend für die Entscheidung war die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz. Diese lag zuletzt bei 55,9 und damit deutlich über dem kritischen Wert 50. Das bedeutet, dass es in einer Woche je 100.000 Einwohner rechnerisch 55,9 Neuinfektionen gab. Damit ist die bayrische Landeshauptstadt auch die mit Abstand am stärksten betroffene Millionenstadt. In Köln lag die Inzidenzzahl bei 36,75, in Hamburg bei 21,4 und in Berlin bei 21.

Allerdings gibt es in Berlin in einzelnen Bezirken ebenfalls eine kritische Entwicklung, in Friedrichshain-Kreuzberg etwa kletterte der Wert auf 48,6. Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung in München deswegen, weil hier kein einzelner Ort wie etwa eine Schule oder ein Fest für den Anstieg verantwortlich ist. Es besteht die Sorge, dass die Infektionsketten absehbar nicht mehr nachvollzogen werden können und das Coronavirus sich aus München auch landesweit verbreitet.

Ausnahmen für Haushaltsangehörige oder Familienmitglieder
Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) will die Schulen und Kindergärten trotz des Anstiegs der Infektionen offen halten. Er wolle aber „die Zahlen der Menschen, die sich treffen, drastisch reduzieren“. Dazu zählt eine Begrenzung von Treffen im öffentlichen Raum - etwa auf Plätzen, in Parks oder der Gastronomie - auf fünf Menschen. Ausnahmen sind demnach, wenn sich zwei Haushalte treffen, die zusammen mehr Menschen umfassen, oder Verwandte in gerader Linie.

Als weitere Maßnahme gilt künftig für private Feiern wie Geburtstage, Hochzeiten oder auch für Beerdigungen eine Höchstgrenze von 25 Menschen in geschlossenen Räumen und 50 Menschen bei Treffen draußen. Professionell organisierte Veranstaltungen wie Theater oder Konzerte sind von dieser Einschränkung nicht betroffen.

Maskenpflicht für stark besuchte öffentliche Plätze
Außerdem ordnete die Stadt eine Maskenpflicht für einzelne stark besuchte Orte wie den Marienplatz und den Viktualienmarkt an. Reiter sagte, es sei auch eine generelle Maskenpflicht im gesamten Stadtgebiet diskutiert worden - diese werde es aber zunächst nicht geben. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte, die Maskenpflicht an öffentlichen Plätzen solle es auch an anderen bayrischen Corona-Hotspots geben. Er warb für regionale Lösungen auch bei Weihnachtsmärkten. In Städten mit einer Inzidenz von über 50 seien dann keine Weihnachtsmärkte möglich.

„Ungutes Gefühl“ bei Supercup-Spiel des FC Bayern in Budapest
Der CSU-Chef forderte außerdem Fans des FC Bayern München dazu auf, auf die Reise zum mit Zuschauern stattfindenden Spiel im europäischen Supercup gegen den FC Sevilla nach Budapest zu verzichten. Angesichts der hohen Infektionszahlen in der ungarischen Hauptstadt habe er hier „ein außerordentlich ungutes Gefühl“.

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