16.09.2020 14:44 |

Prognosen unsicher

Anschober: „Wir stehen vor einer Weggabelung“

Im Gesundheitsministerium gebe es derzeit drei Prognosen, wie sich die rasant steigenden Corona-Infektionszahlen entwickeln würden. Entscheidend sei, inwiefern die derzeit gültigen Maßnahmen umgesetzt werden, meinte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) nach der Ministerratssitzung am Mittwoch. Man lege bereits den Grundstein, damit möglichst viele Österreicher schon bald geimpft werden können. Sein persönliches Ziel sei dabei, eine Impfquote von 50 Prozent zu erreichen.

Die Entwicklung der Fallzahlen in Österreich bereiten Anschober große Sorge. „Die jetzigen Zahlen sind zum derzeitigen Zeitpunkt deutlich zu hoch“, warnte der Minister. Zwar werde momentan „sehr viel“ getestet, wodurch sich die starken Anstiege mitunter erklären ließen, man stehe derzeit jedoch vor einer Schlüsselsituation. Die Chancen, einen zweiten Lockdown zu verhindern, seien jedoch „sehr gut“, verwies er auf drei Prognosen, die jedoch stark voneinander abweichen.

Prognosen gehen weit auseinander
Das Optimum wäre, wenn sich die Lage stabilisiert und man auf dem Niveau von rund 600 bis 700 Neuinfektionen pro Tag verbleibt, dennoch könnte die Zahl noch deutlich in die Höhe schnellen und exponentiell wachsen. „Wir stehen vor einer Weggabelung“, erklärte der Minister. Bei der Analyse der Cluster habe sich gezeigt, dass weniger die Großveranstaltungen, sondern erneut vermehrt private Feierlichkeiten zur Ausbreitung des Virus beigetragen haben.

In dem Zusammenhang sprach Anschober in Anspielung auf den Wintertourismus von einer „Après-Soccer-Situation“ - Analysen aus den Bundesländern hätten gezeigt, dass sich Menschen weniger bei Fußballspielen anstecken würden, als bei den Feiern danach. 

Prozesse dauern noch zu lange
In vielen Regionen verlaufe der Prozess der Testungen und des Kontaktmanagements derzeit noch deutlich zu langsam. „Auch in manchen orange geschalteten Regionen vergeht einfach zu viel Zeit“, so Anschober. Er appellierte dringend, die Prozesse zu beschleunigen, damit ein Testergebnis innerhalb von 48 Stunden sowie das Kontaktmanagement innerhalb von 24 Stunden gewährleistet werden kann.

Vorrat an Schutzausrüstung
Um eine künftige Verknappung von Schutzausrüstung zu verhindern, hat der Ministerrat beschlossen, einen Vorrat anzulegen. Besonders niedergelassene Ärzte, 24-Stunden-Betreuer und Therapeuten sollen damit jederzeit ausreichend Zugang zu Schutzbekleidung haben. Dafür stellt die Regierung 30 Millionen Euro zur Verfügung. Auch beim Thema Impfstoff will man vorsorgen: Derzeit gebe es Verhandlungen mit sechs verschiedenen Produzenten, ein Vertrag mit AstraZeneca wurde bereits fixiert

Hoffnung auf hohe Impfbereitschaft
Es sollen jedenfalls genug Impfdosen für alle acht Millionen Einwohner Österreichs zur Verfügung stehen. Anschobers persönlicher Traum sei, „eine Impfquote von zumindest 50 Prozent“ zu erreichen. Dies wäre angesichts dessen, dass auch viele Menschen bereits Antikörper gebildet hätten, ausreichend, so der Minister.

„Müssen Verantwortung übernehmen“
Das Ziel sei nun, die Todesfälle vergleichsweise gering zu halten und möglichst wenige Menschen in den Spitälern behandeln zu müssen. „Wir müssen wieder Verantwortung übernehmen und diese Verantwortung auch tragen“, so Anschober. Mit dem neuen Corona-Gesetzespaket habe man nun jedenfalls eine Grundlage geschaffen, damit die generell geltenden Maßnahmen durch regionale Aspekte ergänzt werden können. Dies sei wichtig, um ein etwaiges Ausbruchsgeschehen punktgenau zu treffen, so Anschober.

Hacker geht von keinen verschärften Maßnahmen aus
Im Vorfeld des Ministerrats hatte sich Anschober mit Vertretern der Bundesländer getroffen. Der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) erklärte darauf, dass es derzeit wohl zu keinen Verschärfungen im Kampf gegen das Virus kommen werde.

Mögliche Schließungen von Diskotheken und Clubs, über die zuletzt spekuliert wurde, seien dabei kein Thema gewesen. Hacker sprach sich aber einmal mehr für einheitliche Sicherheitsmaßnahmen in Pflegeheimen und Spitälern aus - Regelungen, die in Wien bereits in Kraft sind, müssten bundesweit gelten, so Hacker.

Stephan Brodicky
Stephan Brodicky
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