09.09.2020 13:24 |

Anschober beruhigt

Impftest-Stopp: „Ein Fall ist nicht das Drama“

Nach der Unterbrechung der weltweiten Tests mit einem Corona-Impfstoffkandidaten des Pharmakonzerns AstraZeneca hat Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Mittwoch die Einhaltung der Sicherheitsrichtlinien bei der Entwicklung betont. „Die Sicherheit ist das wichtigste Kriterium bei einer Impfung und die wichtigste Anforderung für die Entscheidung über die Marktzulassung“, sagte er im Pressefoyer nach dem Ministerrat. Ein solcher Fall von Nebenwirkungen bei Zehntausenden Probanden sei aber „noch nicht das Drama“, so der Minister.

Es sei vielmehr „höchst professionell“ von der Firma, dass sie die Studie unterbrochen und sofort die Öffentlichkeit informiert habe, erklärte Anschober. „Gerade in dieser entscheidenden Phase ist es nicht ungewöhnlich, dass es zu Einzelerkrankungen kommen kann und man die Versuchsreihe aus Sicherheitsgründen aussetzt.“ Verzögerungen nimmt der Minister in Kauf.

Eine eingehende Überprüfung sei „unerlässlich und widerlegt auch den Vorwurf eines überschnellen Zulassungsverfahrens“, so Anschober, der betonte, dass bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs „keine Kompromisse auf Kosten der Sicherheit gemacht werden“ dürften. Denn die Sicherheit sei das Wichtigste, es sei weniger entscheidend, ob es mit der Impfung im Jänner oder erst im Februar etwas werde.

Astra Zeneca habe im August begonnen, 30.000 Probanden in den USA zu impfen, hieß es aus dem Gesundheitsministerium in einer der APA übermittelten Stellungnahme. Getestet wird das von der Universität Oxford produzierte Vakzin auch an Tausenden Menschen in Großbritannien, kleinere Studien gibt es in Brasilien und Südafrika. Der Impfstoff befindet sich derzeit in der dritten und abschließenden Studien-Phase.

Unternehmen verweist auf eingeleitete Standardprozedur
AstraZeneca Österreich übermittelte auf APA-Anfrage ein offizielles Statement des Konzerns. „Im Rahmen der laufenden randomisierten, kontrollierten globalen Studien für den Oxford-Coronavirus-Impfstoff wurde unser Standardüberprüfungsverfahren ausgelöst, und wir haben die Impfung freiwillig vorübergehend gestoppt, um die Überprüfung der Sicherheitsdaten durch einen unabhängigen Ausschuss zu ermöglichen. Dies ist eine Routinemaßnahme, die immer dann durchgeführt werden muss, wenn in einer der Studien eine potenziell unerklärliche Krankheit auftritt“, hieß es darin.

„In großen Studien können Krankheiten zufällig auftreten, müssen aber unabhängig überprüft werden, um diese sorgfältig zu kontrollieren. Wir arbeiten daran, die Überprüfung des einzelnen Ereignisses zu beschleunigen, um mögliche Auswirkungen auf den Zeitrahmen der Studie so gering wie möglich zu halten. Wir sind der Sicherheit unserer Studienteilnehmer und den höchsten Standards bei der Durchführung unserer Studien verpflichtet“, betonte das Unternehmen.

Rund sechs Millionen Impfdosen für Österreich
Die Europäische Kommission hatte im Rahmen eines EU-Beschaffungsvorgangs im Namen der 27 Mitgliedsstaaten mit AstraZeneca einen Vertrag über den Kauf des potenziellen Impfstoffs gegen Covid-19 unterzeichnet. Wenn sich der Impfstoff als sicher und wirksam gegen erweist und von der Europäischen Arzneimittelagentur zugelassen wird, stehen den EU-Bürgern durch diesen Vertrag 300 Millionen Dosen des Impfstoffs - zuzüglich einer Option auf weitere 100 Millionen - zur Verfügung. Österreichs Anteil aus diesem Vertrag umfasst laut Gesundheitsministerium rund sechs Millionen Dosen.

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