26.08.2020 11:59 |

Austro-Drama

„Waren einmal Revoluzzer“: Helfen ist unbequem

Wenn Helfen doch nicht so unbequem wäre: Regisseurin Johanna Moder konfrontiert in „Waren einmal Revoluzzer“ (Kinostart: 28. August) hippe, urbane Mittdreißiger mit ihren Idealen und verdeutlicht, wie leicht man für Prinzipien stehen kann, wenn sie nie auf die Probe gestellt werden. Eine Sozialstudie, die ohne erhobenen Zeigefinger zur Selbstreflexion anregt.

Die beiden Wiener Paare Helene und Jakob, Tina und Volker kommen einem Hilferuf ihres Freundes Pawel in Russland nach. Zunächst schicken sie nur Geld, danach wollen sie ihn nach Österreich bringen. Als Pawel mit Frau und Kind ankommt, wandelt sich die Begeisterung der Paare, konkret helfen zu können, bald zur lästigen Unbequemlichkeit.

Der Konflikt ist vorprogrammiert, denn die vier Freunde fordern voneinander die Einhaltung ihrer Ideale ein, während sie diese selbst nicht wahrnehmen wollen. Obwohl die Mittdreißiger ihre geräumigen, wohl ausgestatteten Wohnungen in der Innenstadt haben, kommt es allen ungelegen, die russische Familie aufzunehmen - schließlich müssen sie nun einen persönlichen Einsatz bringen. Zwar verhalten sich Pawel und seine Familie manchmal etwas fragwürdig, doch sind die großen Persönlichkeitskrisen der vier Österreicher das Resultat typischer Luxusprobleme.

Die Anwesenheit von Pawels Familie konfrontiert die vier Österreicher mit dem Verrat ihrer Prinzipien, denn Pawels Frau Eugenia wird in Russland per Haftbefehl wegen politischer Enthüllungen gesucht und befindet sich in echter Gefahr. Ideale sind anstrengend, wenn etwas auf dem Spiel steht.

So muss Pawels Familie nach dem ersten Umzug Volkers Wohnung verlassen, da dieser nach der Arbeit vermeintlich seine Ruhe braucht. Stattdessen soll sie in ein Haus am Land ziehen, in dem jedoch Jakob gerade vermeintlich sein Album aufnimmt und Inspiration und ebenfalls Ruhe braucht. Da kommt eine befreundete Familie in Not natürlich ungelegen. Und so schieben sich die beiden Paare die Familie wie einen schwarzen Peter hin und her, obwohl die von ihnen abverlangten Opfer für ihren Lebensstandard kein Problem darstellen würden, würden sie nur zusammenarbeiten. Die Solidarität fehlt also nicht nur in Bezug auf die befreundete Familie, sondern auch untereinander.

Das sagt „Krone“-Kinoexpertin Christina Krisch zum Film: Wie das nach Ablass gierende Enddreißiger-Hipster-Quartett (top besetzt mit Manuel Rubey, Julia Jentsch, Anne Schwarz und Marcel Mohab) sein Hilfssyndrom austobt und dabei mit den eigenen, längst eingeweckten Jugendträumen, die in der modern-biedermeierlichen Saturiertheit keinen Platz gefunden haben, konfrontiert wird, ist dynamischer diskussionswürdiger Stoff, der formidabelunterhält in Zeiten der viel gepriesenen Selbstoptimierung.

Kinostart von „Waren einmal Revoluzzer“: 28. August.

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