17.08.2020 15:21 |

Schiefe Optik

Hubschrauber-Kauf: Heimische Agentur involviert

Das Bundesheer muss neue Hubschrauber kaufen. Eine Millionen-Anschaffung des Verteidigungsministeriums, bei der diesmal alles supersauber laufen soll. Die Fehler des Eurofighter-Deals, wo erhebliches Schmiergeld geflossen ist, wolle man nicht wiederholen. Doch plötzlich taucht bei einem der Anbieter erneut eine PR-Agentur auf. 

Drei Hubschrauber-Firmen rittern derzeit um einen gewaltigen Auftrag des Bundesheeres, um mehrere Hundert Millionen Euro muss ein Teil der alten Helikopterflotte erneuert werden: Die US-Firma Bell, das belastete Konsortium Airbus und der italienische Hersteller Leonardo bieten dabei ihre Produkte an, es geht um kolportierte 18 Stück moderner Mehrzweck-Hubschrauber - zwölf für den Einsatz, sechs für die Schulung.

„Government to government“
Der Beschaffungsvorgang wird in jedem Fall ein „Government to government-Deal“, betont das Verteidigungsministerium. Keine Direktverhandlungen mit Firmen, keine Lobbyisten, keine Schmiergeldzahlungen wie bei dem Eurofighter-Debakel. Sondern ein Geschäft zwischen Österreich und einer anderen Regierung, die uns Hubschrauber verkauft. Soweit der Plan. 

Heimische Agentur beauftragt
Doch ausgerechnet beim Favoriten der Militärs - dem AW169 von Leonardo aus Italien - ist nun bekannt geworden, dass die heimische PR-Agentur P8 bereits vor Jahren mit „Medienarbeit“ betraut wurde. Die P8 gehört Georg Hofherr, in Salzburg führt Anton Santner die Geschäfte - beide mit früherer Nähe zu den ÖVP-Landesparteien in Tirol und Salzburg. „Wir leisten seit sechs Jahren Medienarbeit für Leonardo“, bestätigte Santner auf „Krone“-Nachfrage. Dabei gehe es um Marktbeobachtung und die Übersetzung von Medienberichten für den italienischen Konzern. Mit politischer Einflussnahme wolle man nichts zu tun haben, es handle sich um ein Mandat von wenigen Mannstunden im Monat. „Und mit der ÖVP habe ich seit acht Jahren nichts zu tun“, ergänzt Santner.

Teuerster der drei Anbieter
Erschwerend kommt jedoch hinzu, dass der AW169 nicht nur das einzige Produkt ist, für dessen Hersteller eine PR-Firma in Österreich beauftragt wurde. Er ist auch der größte, schwerste und teuerste der drei möglichen Hubschrauber. Teuer vor allem vor dem Hintergrund, dass sechs der Maschinen wie beschrieben nur für Schulungszwecke eingesetzt werden sollen. „Wie wenn eine Fahrschule einen BMW X5 betreibt“, wird ein Militär des Bundesheeres zitiert. 

Michael Pichler/Paul Tikal

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