Die Wirtschaftskammer Kitzbühel will nun ihre Freizeitwohnsitz-Studie breit ausrollen. Die Tiroler ÖVP ist in dieser Frage gespalten, die Opposition im Landtag ebenso. Des Pudels Kern sind Kontrollen durch die Gemeinden – über die sich der Wirtschaftsbund aufregt.
Die Studie beleuchtet die Wertschöpfung, die durch die Tausenden legalen Freizeitwohnsitze im Bezirk Kitzbühel entsteht. Demnach würden durch diese rund 125 Millionen Euro jährlich an Steuern und Abgaben für die öffentliche Hand lukriert, weitere sechs Millionen für Gemeinden und Tourismusverbände im Bezirk. 1758 Arbeitsplätze in der Region hingen unmittelbar daran.
„Und da sind die illegalen noch gar nicht eingerechnet. Mit diesen wäre die Wertschöpfung noch um einiges größer“, erläutert Kitzbühels WK-Obmann Hermann Huber. Die jüngste Debatte im Landtag dazu hat er mit Interesse mitverfolgt.
Wirtschaftsbund hält nicht so viel davon
Der Wirtschaftsbund Kitzbühel ließ unmittelbar darauf wissen, dass er von der offiziellen Linie des Landes Tirol, im Landtag vertreten von ÖVP-Gemeindesprecher Dominik Mainusch, nicht besonders viel hält: „Es ging nicht um Lösungen, sondern um die Suche nach einem Sündenbock. Wer glaubt, leistbares Wohnen entsteht durch Feindbilder, täuscht sich – und lenkt von eigenen Problemen ab“, heißt es in der Stellungnahme, unterzeichnet nicht nur von den Landtagsabgeordneten Katrin Brugger, Beate Scheiber und Peter Seiwald, sondern auch von WK-Präsidentin Barbara Thaler. Sie hat ja wie berichtet 80.000 Euro aus dem Präsidialbudget für die Studie lockergemacht.
Die Studienautoren meinen erhoben zu haben, was ein legaler Freizeitwohnsitzler pro Tag ausgibt. Sie kommen auf 119,80 Euro.

Liste-Fritz-Klubchef Markus Sint
Bild: Johanna Birbaumer
Plädoyer für neue Widmungskategorie
Ganz klar gehe es nicht darum, Illegales zu legalisieren, wird betont. „Kosmetische Reparaturen an einem System, das längst nicht mehr zur Realität passt“, seien aber nicht mehr ausreichend. Es brauche klare Definitionen und den notwendigen Gestaltungswillen – „etwa für Arbeits-, Ausbildungs-, Pflege- oder qualifizierte Nebenwohnsitze“.
„Deutsche spotten über ,Stasibühel‘“
Die jetzigen Kontrollen durch Gemeinden, für die Mainusch eintritt („den Turbo zünden“), seien jedenfalls überschießend. Statt neue Regeln zu schaffen, die den Gemeinden neue Einnahmen bringen würden, werde zugeschaut, „wie selbst ernannte Sheriffs Briefkästen durchstöbern und Leute bespitzeln“, regt sich der Wirtschaftsbund auf.
Hunderte Strafverfahren und Benutzungsverbote
Widerspruch erntete Mainusch auch auf sein Beispiel, wonach eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus, die offenbar als Freizeitwohnsitz genutzt wurde, infolge von Kontrollen an eine einheimische Familie verkauft wurde. „Aktuell erleben wir, dass Behörden vermehrt Nutzungsverbote aussprechen. Die Folge ist häufig Leerstand“, argumentiert hingegen der WB Kitzbühel. Millionenvillen könne sich niemand leisten.
Schwäche der Studie: keine Vergleichsrechnung
Auch die Opposition ist in dieser Frage schwer gespalten: Während Grüne und Liste Fritz keinen Millimeter vom Weg abweichen wollen („Gesetzesbruch ist kein Kavaliersdelikt“), haben Neos und FPÖ ein Herz für den Wirtschaftsbund.
Die eingangs erwähnte Freizeitwohnsitzstudie zerreißt Fritz-Klubchef Markus Sint in der Luft: „Die Studienautoren meinen erhoben zu haben, was ein legaler Freizeitwohnsitzler pro Tag ausgibt. Sie kommen auf 119,80 Euro. Sie vergleichen das aber nicht damit, was ein Einheimischer, der anstelle eines Freizeitwohnsitzlers hier in Tirol ein Haus bauen, hier wohnen, leben, konsumieren und Steuern zahlen würde, ausgibt. Ohne diesen Vergleich macht die Erhebung aber keinen Sinn und dient nur dem Zweck, der Legalisierung von noch mehr Freizeitwohnsitzen ein Unterfutter zu geben.“
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