11.08.2020 08:47 |

Kritik von US-Experten

Pandemie-Vorbereitung weltweit „katastrophal“

Regierungen engagieren sich derzeit weiterhin im Herunterspielen der Covid-19-Pandemie oder rühmen sich mit getroffenen Maßnahmen. Doch global hätte die Menschheit bei vernünftiger Politik seit mindestens 15 Jahren gut vorbereitet sein können bzw. sein müssen, stellen jetzt US-Experten in der einflussreichen US-Zeitschrift „Foreign Affairs“ fest. Ihr Urteil ist vernichtend.

„Die Zeit für die Vorbereitung auf die nächste Pandemie läuft ab. Wir müssen entschieden und wirkungsvoll handeln“, zitieren Michael Osterholm, Chef des Zentrums für Infektionskrankheiten an der Universität von Minnesota (USA), und der US-Dokumentarfilmer Mark Olshaker aus „Foreign Affairs“ aus dem Jahr 2005. Damals hatte Osterholm, der erst am vergangenen Wochenende erneut Lockdown-Maßnahmen in den USA forderte, diese Sätze in einem Beitrag mit dem Titel „Vorbereitung für die nächste Pandemie“ geschrieben.

„Dieses Urteil ist Verdammnis
„Die nächste Pandemie ist jetzt gekommen. Und obwohl Covid-19 noch längst nicht vorbei ist, ist es nicht zu früh für ein Urteil über gemeinsame, weltweite Vorbereitungsmaßnahmen. Dieses Urteil ist Verdammnis“, stellen Osterholm und Olshaker fest. Weder auf längere Sicht noch für kurzfristige Maßnahmen hätte es in eineinhalb Jahrzehnten gereicht.

„Jedenfalls haben die USA in den vergangenen 20 Jahren zahllos viele Milliarden in die innere Sicherheit und in Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung gesteckt, um menschliche Feinde abzuwehren. Dabei hat man auf die viel größere potenzielle Gefahr von Mikroben vergessen. Terroristen haben nicht die Kapazität, den American Way of Life mit quietschenden Reifen zum Stillstand zu bringen. Covid-19 hat das leicht binnen weniger Wochen geschafft“, heißt es in der aktuellen Ausgabe von „Foreign Affairs“.

Warnungen gab es genügend
An Warnungen hätte es nicht gemangelt: SARS im Jahr 2003 mit 8098 Fällen und 774 Toten weltweit, MERS seit 2012 und dazwischen die „Schweinegrippe“-Pandemie (A/H1N1) von 2009/2010. Doch nichts geschah, laut den Autoren des Beitrags.

Mit SARS, „Schweinegrippe“, MERS und Ebola in Westafrika zwischen 2014 und 2016 hätte sich klar gezeigt, dass man auch neue Impfstoffe für regionale Ausbrüche von Erkrankungen benötige, doch es sei zu wenig Geld in die Pandemie-Vorbeugung investiert worden, hieß es.

Fazit, laut den Autoren: „Wären ausreichend viele finanzielle und pharmazeutische Ressourcen in die Entwicklung einer Vakzine gegen SARS aus dem Jahr 2003 oder gegen MERS aus dem Jahr 2012 gegangen, hätte man jetzt wahrscheinlich eine Vakzine-Plattform, auf der man aufbauen könnte (...).“

Die Welt hat versagt
Auch kurzfristig hätte die Welt versagt: Zunächst durch das Unterdrücken der Informationen über den SARS-CoV-2-Ausbruch in Wuhan durch die chinesischen Machthaber, dann durch das Ignorieren der Gefahr auch durch Administrationen wie jene von US-Präsident Donald Trump.

Jetzt für nächste Pandemie rüsten
Die Welt täte jedenfalls gut daran, zumindest jetzt an die Zukunft zu denken. Osterholm und Oshaker: „Abseits eines globalen Atomkrieges und der Langzeitfolgen des Klimawandels hat eine infektiöse Pandemie das größte Potenzial, die Gesundheit und die wirtschaftliche Stabilität der Welt zu zerstören.“ Die Berechnungen über die Spanische Grippe von 1918 gingen auf bis zu hundert Millionen Todesopfer, das wären heute etwa 400 Millionen Tote. Daher sollte man sich jetzt rüsten, denn i
m Vergleich zu Covid-19 könne die nächste Pandemie wirklich „The Big One“ sein.

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