11.07.2020 18:08 |

Athen droht Erdogan

Türkei begann schon mit Umbau der Hagia Sophia

Die Hagia Sophia ist seit Samstag für etwa zwei Wochen geschlossen. Der Vorsitzende der Religionsbehörde Diyanet, Ali Erbas, sagte dazu: „Wir haben mit den erforderlichen Arbeiten begonnen“, um das berühmte Gebäude für islamische Gebete einzurichten. Die UNESCO fürchtet um die byzantinischen Mosaike, Griechenland droht der Türkei mit Konsequenzen. 

Die bildlichen Darstellungen waren in der osmanischen Zeit mit Gips zugekleistert und erst 1931 unter dem türkischen Republiksgründer Mustafa Kemal Atatürk wieder freigelegt worden. 1934 wurde aus dem Gebäude ein Museum. Nach Ansicht vieler islamischer Religionsgelehrter ist ein islamisches Gebet weniger wert, wenn es im Angesicht bildlicher Darstellungen verrichtet wird.

Die Zurückwidmung der Hagia Sophia in eine Moschee rief weltweit Kritik hervor, besonders in den orthodoxen Ländern. In Russland sprach Metropolit Ilarion von einem Schlag gegen die Orthodoxie. Die Umwidmung werde nun die Beziehungen der Türkei zur christlichen Welt beeinflussen, gab sich der Geistliche überzeugt.

Das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei hatte am Freitag den Status der einstigen Kirche als Museum aberkannt. Kurz danach ordnete der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan an, das Gebäude für das islamische Gebet zu öffnen. Damit war gerechnet worden. „Herzlichen Glückwunsch“, twitterte er. Zuletzt hatte er die Nutzung als Museum als „großen Fehler“ bezeichnet.

Griechenland: „Erdogan hat historischen Fehler begangen“
Der griechische Regierungssprecher Stelios Petsas sprach von einer Beleidigung der christlichen Welt, die eine entsprechende Antwort erhalten müsse. Erdogan habe einen „historischen Fehler begangen“, so Petsas. Auf diese Beleidigung der christlichen Welt müsse es eine entsprechende Antwort geben.

Der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis hatte zuvor schon erklärt, dass der Beschluss Erdogans Folgen für die Beziehungen der Türkei zur EU haben werde. Griechenland und der Nachbar Türkei streiten sich ohnehin schon um Erdgasvorkommen im Mittelmeer und verschiedene Migrationsthemen.

Auch Schallenberg kritisiert Urteil zu Hagia Sophia
Auch Österreichs Außenminister Alexander Schallenberg kritisierte die Entscheidung des Obersten Verwaltungsgerichts der Türkei. „Als Museum stand die Hagia Sophia Millionen Menschen aller Kulturen und Religionen offen. Die Entscheidung, diesen Status aufzuheben, ist ein weiterer Schritt der Türkei weg von Europa, den wir zutiefst bedauern und nicht nachvollziehen können“, so Schallenberg in einer Aussendung.

Zweifel an Unabhängigkeit der türkischen Gerichtsbarkeit
Das Urteil der türkischen Gerichtsbarkeit werfe zudem die Frage nach deren Unabhängigkeit auf, so der Außenminister. „Sich von der Offenheit eines historischen Bauwerkes für alle Religionen in einer derartigen Form zu verabschieden, sehen wir sehr kritisch“, so Schallenberg.

Kronen Zeitung/krone.at

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