10.07.2020 16:38 |

Gericht ebnet Weg

Istanbuls Hagia Sophia darf zur Moschee werden

Das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei hat am Freitag den Weg dafür geebnet, die weltberühmte Hagia Sophia in Istanbul in eine Moschee umzuwandeln. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, erkannte das Gericht den seit 1935 bestehenden Status eines Museums für den Kuppelbau aus dem 6. Jahrhundert ab. Nach der Gerichtsentscheidung ordnete der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan prompt an, das Gebäude für das islamische Gebet zu öffnen.

Die Hagia Sophia werde der Aufsicht der Religionsbehörde (Diyanet) unterstellt und für muslimische Gottesdienste geöffnet, erklärte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Freitag auf Twitter. „Herzlichen Glückwunsch“, fügte Erdogan hinzu. Zuletzt hatte er die Umwandlung in ein Museum als „großen Fehler“ bezeichnet.

Der Status des Bauwerks ist ein Politikum. Anhänger der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP fordern seit Langem, die Hagia Sophia wieder in eine Moschee umzuwandeln. Mit der Gerichtsentscheidung könne der Bau, der als Teil der Istanbuler Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, nun für muslimische Gottesdienste genutzt werden, hieß es am Freitag.

UNESCO warnte vor Umwandlung
Zuvor hatte die UNESCO die Türkei vor der eigenmächtigen Umwandlung des historischen Gebäudes in eine Moschee gewarnt. Mit dem Status als Weltkulturerbe seien „eine Reihe von Zusagen und rechtlichen Verpflichtungen verbunden“, erklärte die UN-Kulturorganisation und rief die Türkei vor einer Entscheidung zum Dialog auf. Ein Staat dürfe „keine Veränderung an dem herausragenden universellen Wert“ eines Welterbe-Monuments vornehmen, unterstrich die UNESCO.

Russen verteidigten Hagia Sophia
In Russland stößt die mögliche Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee auf scharfe Ablehnung. „Die Bedrohung der Hagia Sophia ist eine Gefahr für die gesamte christliche Zivilisation - und damit für unsere Geistlichkeit und Geschichte“, donnerte Patriarch Kirill I.

Die im 6. Jahrhundert nach Christus erbaute Hagia Sophia war fast ein Jahrtausend lang das größte Gotteshaus der Christenheit und Hauptkirche des Byzantinischen Reiches. Nach der Eroberung Konstantinopels 1453 durch die Osmanen wandelte Sultan Mehmet II. („Der Eroberer“) die Hagia Sophia in eine Moschee um und fügte als äußeres Kennzeichen vier Minarette hinzu. Auf Betreiben des türkischen Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk ordnete der Ministerrat im Jahr 1934 die Umwandlung in ein Museum an.

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