08.07.2020 11:11 |

Holzzaun als Aufreger

Auch auf dem Berg gelten klare Regeln

Gesetzesänderungen, Verhaltensregeln für Wanderer, landesweite Versicherungen für Kuh-Unfälle: Viele Almbauern fühlen sich trotzdem weiter höchst verunsichert.

Für Almbauer Hermann Höllwart war es ein Schlüsselerlebnis. Zwei Wanderer setzten unlängst ihr Kind im Rauriser Krumltal auf eines seiner Kälber. „Ich habe die Leute sofort angesprochen, dass das nicht geht. Und was war: Ich bin angepöbelt worden“, sagt der Landwirt. Daraufhin errichtete Höllwart einen meterhohen Holzzaun, der Wanderern nun den Weg versperrt.

Das massive Holztor zeigt symbolisch die Verunsicherung der heimischen Landwirte nach dem „Kuh-Urteil“ des Obersten Gerichtshofes. Dieser hatte nach dem tödlichen Angriff eines Rindes auf eine Wanderin dem Besitzer der Kuhherde eine Mitschuld gegeben – unerklärlich für Österreichs Landwirte.

Rest-Risiko für Almbauern bleibt

Grundsätzlich gibt es klare Regeln auf den Bergen. Eine Gesetzesänderung betont mittlerweile die Eigenverantwortung der Wanderer. Aber: „Im Extremfall wird sich immer wieder die Frage stellen, ob der Bauer auch wirklich alles richtig gemacht hat“, sagt Nikolaus Lienbacher, Amtsdirektor der Salzburger Landwirtschaftskammer. Dieses Risiko wollen einige Landwirte nicht mehr eingehen.

Das Land Salzburg steht den Almbauern jedenfalls zur Seite. Eine landesweite Versicherung springt im Ernstfall ein – sofern der Landwirt nicht selbst versichert ist. Aber: Es gibt einen Selbstbehalt von 1000 Euro. In Maishofen hat man auch dafür eine Lösung gefunden: Der örtliche Tourismusverband übernimmt im Fall der Fälle die Kosten. „Bei uns braucht es keine Zäune“, sagt Obmann Geschäftsführer Thomas Weissbacher.

Fakten

Bundesregierung, Landwirtschaftskammer und Alpenverein haben einen Leitfaden samt Verhaltensregeln entwickelt:

Kontakt zum Weidevieh vermeiden, Tiere nicht füttern.

Ruhig verhalten, die Kühe nicht erschrecken.

Begegnungen von Mutterkühen und Hunden vermeiden.

Hunde immer an der kurzen Leine führen.

Wanderwege nie verlassen.

Wenn Kühe den Weg versperren, mit möglichst großem Abstand umgehen.

Bei Herannahen von Rindern: Ruhig bleiben und ausweichen.

Werden die Kühe unruhig: Weidefläche sofort verlassen.

Zäune sind zu beachten.

Respekt vor Almbauern, Vieh und Umwelt zeigen.

Nikolaus Klinger
Nikolaus Klinger
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