07.06.2020 15:17 |

Das Rezept zum Erfolg

Tafelspitz war „Liebe auf den ersten Blick“

Der Doyen der österreichischen Küche feiert seinen 80. Geburtstag. Mit der „Krone“ sprach Ewald Plachutta über seine Gedanken zum Jubiläum.

Kochlehre als junger Bursche im Wiesler in Graz, mit 21 Jahren bereits Küchenchef im Astoria in Wien, Kocholympiasieger Ende der 1960er-Jahre. Danach Spitzengastronom als Koch des Jahres - samt Michelin-Stern - mit den 3 Husaren, der Grotta Azzurra und seinem Plachutta-Imperium, das er vom Stammhaus in Wien-Hietzing aus aufbaute. Ach ja, und dann sei an dieser Stelle auch noch erwähnt: Er ist Österreichs erfolgreichster Sachbuch-Autor. Alles das ist Ewald Plachutta, jener Grandseigneur, ja, eine Institution ist er, der dieser Tage (ganz genau am 16. Juni) seinen 80. Geburtstag feiert.

Grund genug für ADABEI, den Doyen der österreichischen Spitzenküche zu besuchen und dabei feststellen zu dürfen, dass er nicht nur beruflich, sondern auch privat ein perfekter Gastgeber und ein echter Sir ist. Was ist das Geheimnis, quasi das „Rezept“ hinter all seinen Erfolgen, seiner Vita. „Ich sage es Ihnen ehrlich, es ist der Umstand, dass nicht ich im Vordergrund stehe, sondern mein Tun.“

„Liebesgeschichte” vom Tafelspitz
Ein gelebtes Credo jenes Mannes, der mit seinen Kochbüchern eine wahre Revolution einleitete. „Ich habe den Focus immer darauf gerichtet, dass alles in einer einfachen Sprache gehalten ist. Dazu gibt es immer Empfehlungen“, so Plachutta, der über seine “Liebesgeschichte“ vom Tafelspitz erzählt, „dass sich das ganz früh in meinen ersten Lebensjahren so geprägt hat. Wir durften damals bei Bauern essen. Da gab es immer einen Topf in der Mitte, der scheinbar nie leer wurde“, beschreibt er das Szenario seiner Kindheit, das sich in seinen Lokalen durchgezogen hat. 

Denn der Topf Rindsuppe mit dem Fleisch, der dort in der Mitte kredenzt wird und aus dem sich alle bei Tisch bedienen können, erzeugt ein familiäres Gastro-Erlebnis. Genau im Sinne seines Erfinders Ewald Plachutta, der seinen allerersten Tag in einer Profi-Küche als „Liebe auf den ersten Blick“ bezeichnet.

Auch privat im Glück
Klar, es zog all der Erfolg auch viel Neid auf sich. Doch der prallt an dem Mann, der 2009 mit „Plachutta Kochschule 2“ nicht weniger als 38(!) Wochen die Bestsellerlisten dominierte ab. „Neider höre ich nicht. Wenn man von so etwas wie Neid spricht, dann hatte ich das höchstens bei jemandem, der bei etwas fähiger war als ich. Also hat man sich dann angestrengt, um auch so gut zu werden“, erzählt er uns. Dass bei so viel Erfolg im Beruf („Von nix kommt einfach nix“) sich auch noch im Privaten so viel Glück einstellt, macht den zweifachen Vater dankbar. 52 Jahre ist er bereits mit Ehefrau Eva glücklich verheiratet: „Ich bin sehr stolz auf meine Frau. Sie hat einen unglaublich tollen Charakter, und sie ist gegen alle Krisen gesattelt. Das Wort ,Katastrophe‘ gibt es bei ihr nicht!“

Krisen sollten nüchtern betrachtet” werden
Das zieht sich bei den Plachuttas wie ein roter Faden durch. Denn der Familien-Capo erlebte bereits einige Krisen („Anfang der 2000er-Jahre bedrohte BSE unser Pilotprodukt“) in Österreich, die er mit, wie er selbst sagt, “Idealismus, Pünktlichkeit und Zielstrebigkeit“ meisterte. Bei der laufenden Corona-Krise sagt er: „Man muss versuchen, es nach Möglichkeit nüchtern zu betrachten und seine Schlüsse daraus zu ziehen. Man muss aus Niederlagen lernen können“ - einer seiner Wahlsprüche, die er seit dem Beginn seiner famosen Karriere lebt. Es spricht dabei aus ihm auch der Arbeitgeber, der sich um seine Mitarbeiter kümmert: „Ja, weil das Soziale steht am Ende des Tages im Vordergrund.“

Zum Geburtstag wunschlos glücklich
Jetzt, da der Geburtstag naht, stellen wir uns die Frage, ob es Wünsche gibt, die er erfüllt haben möchte. Doch da winkt der Sir (wieder einmal) ab. Es gehe ihm nicht um Feste oder Geschenke für ihn. Er will nicht im Mittelpunkt stehen. „Ich habe auch kein Problem damit, dass ich 80 werde. Ich bin sehr glücklich, denn ich habe alles, was ich brauche.“ Aber gratulieren wird man ja noch dürfen: Alles Gute, Ewald Plachutta!

Norman Schenz, Kronen Zeitung

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