06.06.2020 06:00 |

Sicherheit und Komfort

Livall BH62: Smarter Helm für mehr Spaß am Radeln

Die Zahl der Radfahrer auf Österreichs Straßen ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Die Zahl der Fahrradunfälle damit leider auch. Mehr Sicherheit im Straßenverkehr verspricht der smarte Fahrradhelm BH 62 des chinesischen Herstellers Livall. krone.at hat ihn getestet.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich der „Rennradhelm für smarte Köpfe“ zunächst kaum von seinen konventionellen Mitbewerbern. Das Design des 300 Gramm leichten Helmes ist aerodynamisch und sorgt für ausreichend Frischluftzufuhr bzw. Abkühlung beim Fahren. Der Drehverschluss am Hinterkopf erlaubt mit nur einer Hand die individuelle Anpassung an die jeweilige Kopfgröße, zusätzlichen Tragekomfort bieten die herausnehmbare und somit auch waschbare Polsterung im Inneren des Helms sowie ein bequem gepolsterter Kinngurt.

Rücklicht und Blinker
S
mart sind am BH62 nun gleich mehrere Dinge. Da wären zum einem die dezent auf der Rückseite versteckten und erst nach dem Einschalten sichtbaren LEDs. Sieben rote in der Mitte fungieren als Rücklicht, je vier gelbe links und rechts als Blinker. Sie sorgen nicht nur für eine bessere Sichtbarkeit, sondern erleichtern auch die Kommunikation mit anderen Verkehrsteilnehmern - und zwar ohne dass dafür die Hände vom Lenker genommen werden müssten, kommt der Helm doch mit einer dazugehörigen Fernbedienung. 

Bluetooth und Lautsprecher
Smart ist zum anderen aber auch, dass der BH62 dank zwei integrierter 0,5-Watt-Lautsprecher,
Mikrofon und Bluetooth 4.1 als Freisprecheinrichtung dienen kann und bei Verwendung entsprechender Apps wie komoot oder Google Maps per Sprachansage zum gewünschten Ziel navigiert. Wer nach langen Stunden im Sattel etwas Abwechslung oder Motivation braucht, kann sich selbstverständlich auch musikalisch über die seitlich integrierten Mini-Speaker beschallen lassen. Vorteil hierbei: Im Gegensatz etwa zu True-Wireless-Stöpseln ist man deutlich weniger von seiner Außenwelt und anderen Verkehrsteilnehmern abgeschottet.

Notfall-Funktion
Sollte es dennoch zu einem Unfall kommen, erfüllt der Helm eine dritte, wichtige Funktion: Im Falle eines Sturzes werden über den eingebauten Bewegungssensor zuvor in der App hinterlegte Notfall-Kontakte per SMS alarmiert. Dafür ist neben einer einmaligen Registrierung allerdings auch die ständige Nutzung der App im Hintergrund vonnöten, was mit einem erhöhten
Stromverbrauch beim Smartphone einhergeht. Nicht getestet werden konnte mangels eines zweiten Helmes die Walkie-Talkie-Funktion. Sie soll auch in „großen Gruppen kostenlose Kommunikation ohne Störgeräusche“ ermöglichen, wie der Hersteller auf seiner Website verspricht.

Akku
Dass der BH62 überhaupt derart „smart“ sein kann, verdankt er einem 600 mAh großen Akku, der mittels eines magnetisch an der Vorderseite des Helmes andockbaren USB-Kabels binnen zwei Stunden vollständig geladen wird. Die Laufzeit gibt der Hersteller mit bis zu zehn Stunden an. Die tatsächliche „Ausdauer“ hängt allerdings stark von der jeweiligen Nutzungsart ab.
Im Test wurde der Helm hauptsächlich zum Musik hören verwendet und musste nach rund fünf Stunden zurück an die Steckdose.

Klang
In puncto Klang
wusste der smarte Helm durchaus zu überzeugen: Der Musik konnte selbst bei starkem Gegenwind gelauscht werden, ohne dass dabei Umgebungsgeräusche komplett übertönt wurden. Das Gefühl, keinen drückenden Fremdkörper im Ohr zu haben, erwies sich bei längeren Touren als weiterer Pluspunkt. Satten Bass darf man sich konstruktionsbedingt jedoch nicht erwarten, die Betonung der Mitten und Höhen hat dafür im Gegenzug bei Telefonaten ihren Vorteil: Anrufe waren ohne Schwierigkeiten klar und deutlichzu verstehen. Als Fahrer muss man mitunter jedoch gegen Verkehr und Wind anschreien, um sich Gehör zu verschaffen.

Eingeschränkter Bluetooth-Empfang
A
ls problematisch erwies sich allerdings bei der ersten Ausfahrt die Verbindung zwischen Helm und Smartphone. Kaum wurde dieses nämlich in die Rückentasche des Trikots gesteckt, brach die Musik bzw. Verbindung ab. Ein zweiter Versuch mit einem MP3-Player führte zum selben Ergebnis. Abhilfe schaffte in beiden Fällen erst das Verstauen des jeweiligen Geräts in einer Oberrohrtasche und somit im „Blickfeld“ des Helmes, dessen Bluetooth-Empfänger offenbar eher frontal ausgerichtet ist - ein Umstand, den man beim Kauf beachten sollte.

Rücklicht
Bei der Verwendung des
Helms als (zusätzliches) Rücklicht stehen über die dazugehörige App diverse Einstellungen zur Auswahl: ein langsames oder schnelleres Blinken sämtlicher LEDs sowie das „Standard-Licht“, bei dem die seitlichen LEDs dauerhaft rot leuchten, während die LEDs in der Mitte blinken. Besonders praktisch, insbesondere für Fahrrad-Pendler, dürfte der „Auto-Beleuchtungsmodus“ sein, bei dem die Lichter automatisch entsprechend der örtlichen Sonnenauf- und Sonnenuntergangszeit ein- und ausgeschaltet werden - vorausgesetzt, die Anwendung darf auf den eigenen Standort auch zugreifen.

Fernbedienung
Über die App lassen sich zudem zwecks Test einer erfolgreichen Kopplung mit dem Smartphone die Blinker aktivieren, was von einem akustischen Signal, wie man es
beim Blinken im Auto kennt, begleitet wird. Während sich die Musikwiedergabe und Annahme von Anrufen auch über drei Tasten an der vorderen Unterkante des Helmes steuern lässt, erfolgt die Aktivierung der Blinker über die beiliegende Fernbedienung für den Lenker, an dem sie sich mittels eines Gummibandes schnell und einfach befestigen und ebenso wieder entfernen lässt. Betrieben wird sie von einer Knopfzelle, die sich leider etwas schwerer zugänglich hinter einer durch zwei Schrauben geschützten Abdeckung versteckt.

Neben den seitlichen Pfeiltasten zum Blinken und der roten Haupttaste in der Mitte zum Pausieren der Musikwiedergabe oder Annahme von Anrufen verfügt die Fernbedienung auch über eine Taste für die bereits erwähnte Walkie-Talkie-Funktion sowie drei weitere Tasten, von denen zumindest zwei funktionslos sind, nämlich die obere und untere Pfeiltaste. Eine Möglichkeit, ihnen per App eine Individualfunktion zuzuweisen, sucht man leider vergeblich. Die dritte Taste ermöglicht es, die Kamera des Smartphones auszulösen, was während der Fahrt allerdings wenig sinnvoll erscheint - es sei denn, man hat das Smartphone am Lenker befestigt und möchte sich selbst und sein Unterkinn oder den Vorderreifen fotografieren. In anderen Szenarien, beispielsweise für Gruppenfotos, kann die Fernbedienung immerhin als praktischer Fernauslöser fungieren.

Fazit: Livalls BH62 bietet ein Plus an Sicherheit, Komfort und Unterhaltung beim Radeln - und das zu einem Preis, der jenem klassischer Fahrradhelme ohne smarte Extras in nichts nachsteht. Die schwarz-weiße Variante ist aktuell für günstigstenfalls ab rund 111 Euro erhältlich, die rot-schwarze Variante ab rund 133 Euro. Während Rücklicht und Blinker vor allem im städtischen Bereich, wo viele Autos unterwegs sind, von Vorteil sind, erfreuen sich Rennradler im Kampf gegen monotone Landstraßen an der musikalischen Beschallung durch den Helm, ohne dabei an Sicherheit einbüßen zu müssen. Und wenn man auf dem Sattel die Zeit mal wieder übersehen hat, ruft man ohne lästigen Zwischenstopp einfach schnell zu Hause an. Praktisch. Verbesserungspotenzial gibt es dennoch, insbesondere bei der Fernbedienung (überflüssige bzw. nicht individuell belegbare Tasten) und dem Bluetooth-Empfang. Wünschenswert wäre zudem, insbesondere für längere Touren, ein ausdauernderer Akku.

Sebastian Räuchle
Sebastian Räuchle
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