20.05.2020 11:59 |

krone.at-Kolumne

Bitte kein Corona-Wahlkampf!

An den aktuellen Beflegelungen rund um die Infektionscluster sieht man: Der Wien-Wahlkampf ist eröffnet. Aber auch wenn die Verlockung groß ist, Corona zum Themenschwerpunkt zu erklären, sollten unsere Politiker das besser sein lassen. Eine Pandemie als Wahlkampfgag zu missbrauchen, ist einer seriösen Politik nicht würdig.

Der Theaterdonner rund um die Frage, welches Bundesland der bravste Corona-Schüler ist, lässt Kindergartenkinder alt aussehen. Kurz zusammengefasst: Der türkise Teil der Bundesregierung hatte sich ja mit einem Schnoferl darüber mokiert, dass Wien seine Hausaufgaben nur befriedigend erledigt habe, und im gleichen Atemzug schein-großzügig Nachhilfestunden im richtigen Umgang mit dem Virus angeboten. Wien wiederum reagierte trotzig und zeigte auf Hagenbrunn und Ischgl, die ja noch viel schlimmer seien. Ätsch!

Video: Nehammer sieht kein „politisches Hickhack“

Gratis-Schnitzerl ist ja nett, aber …
Doch damit nicht genug. Auch die Ankündigung der Stadtregierung, Gutscheine für die Gastronomie an alle Wiener zu verschenken, reiht sich in die Liste der durchsichtigen Wahlkampfgags. So nett das Gratis-Schnitzerl auch ist - die Zeche zahlt letzten Endes noch immer der Wiener Steuerzahler und nicht der Bürgermeister selbst. Und wenn es wirklich darum ginge, die Gastronomen zu entlasten, hätten nachhaltige Erleichterungen wie eine Senkung bei den Lohnnebenkosten oder ein mutiger Bürokratieabbau mehr Wirkung gehabt. Aber das klingt halt weniger gönnerhaft als das Mittagessen auf den Bürgermeister. Prost, Mahlzeit!

Mit der Corona-Angst von Menschen spielt man nicht
Überhaupt sei unseren Politikern besonders dieser Tage ins Stammbuch geschrieben, dass es eine abstoßende Unappetitlichkeit ist, im Windschatten des Coronavirus einen Wahlkampf aufzuzäumen. Wer auf die Idee kommt, die Pandemie für billige Wählerstimmen zu instrumentalisieren, tut sich auch selbst keinen Gefallen - die Wähler sind nicht dumm und durchschauen diesen politischen Taschenspielertrick. Die Rechnung wird dann am Wahlabend kalt serviert. Und die kann dann nicht in Form von Gutscheinen abgegolten werden.

Video: Wenn Wien Wuhan wäre

Welche Politik jetzt gewählt wird
Vielmehr braucht es gerade in Zeiten, in denen Menschen Angst um ihre Gesundheit, aber auch um ihre Existenz haben, eine grund-seriöse Politik, die sich nicht die aktuelle Bedrohungslage für ein wenig politisches Kleingeld zunutze macht. Vielmehr werden jene, die klare Worte finden und Zukunftsperspektiven bieten können, mit Wählerstimmen belohnt werden. Ruhe, Sicherheit und Transparenz sind das Gebot der Stunde. Diese Werte sollten auch in Wahlkampfzeiten die Maxime sein. Das kann doch wirklich nicht so schwer sein.

Katia Wagner, krone.at

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