17.05.2020 12:59 |

Druck auf Wien erhöht

Nehammer: „Braucht mehr, als bisher getan wurde“

Das Coronavirus breitet sich in Wien weiter aus. Derzeit sind 2960 Corona-Fälle bestätigt. Brisant: Zwischen den Infektionsfällen von Leiharbeitern in Postverteilerzentren, den Bewohnern des Flüchtlingsheims in Erdberg und einer Mitarbeiterin in einem Kindergarten in Liesing soll ein Zusammenhang bestehen. Ins Visier geraten nun vor allem die Arbeitgeber der Leiharbeiter. Wien will die Sache im Alleingang regeln, das Innenministerium drängt aber darauf, unterstützend einzugreifen.

Bei dem aktuellen größeren Cluster wurden Verbindungen zwischen Leiharbeitsfirmen und Postverteilungszentren in Wien und Niederösterreich registriert. Auch die Fälle im Flüchtlingsheim in Erdberg sollen damit in Zusammenhang stehen, da dortige Bewohner bei den Firmen beschäftigt waren. Und jene infizierte Mitarbeiterin eines Kindergartens in Liesing soll mit einem der Leiharbeiter verheiratet sein.

Laut dem Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) dürfte das Flüchtlingsheim in Erdberg jedenfalls nicht der Ausgangspunkt der Infektionskette sein. Vielmehr stehen die Leiharbeiterfirmen, wie die „Krone“ berichtete, im Fokus der Untersuchung.

Im Büro des Stadtrats wurde am Sonntag bekräftigt, dass nun verstärkt Tests bei Leiharbeitsfirmen geplant sind - und zwar nicht nur bei jener, die im Zentrum der aktuellen Fälle steht. Auch Unternehmen, die auf Leiharbeiter zurückgreifen, stehen nun verstärkt im Fokus, wie betont wurde. Laut Rathaus ist vor allem problematisch, dass Leiharbeiter kein Geld erhalten, wenn sie krank werden. Darum würden viele trotz einer Infektion in die Arbeit kommen.

„Habe Bürgermeister mehrmals Hilfe angeboten
Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) bot der Stadt am Sonntag erneut verstärkte Zusammenarbeit an: „Dieser dramatische Fall zeigt, dass es mehr braucht, als bisher getan wurde. Ich habe dem Wiener Bürgermeister mehrmals Hilfe beim Containment angeboten, um das Virus einzugrenzen. Spätestens jetzt wäre es Zeit, diese anzunehmen. Wir müssen jetzt zusammenhelfen“, betonte er in einer Mitteilung.

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Es reicht nicht aus, Migranten einfach nur einen Zettel in die Hand zu drücken, um sie als Verdachtsfall zu informieren.

Innenminister Karl Nehammer

Ihm gehe es um die Information der Infizierten und Verdachtsfälle sowie die Überwachung der Quarantäne-Maßnahmen etwa bei Flüchtlingen, sagte er. „Es reicht nicht aus, Migranten einfach nur einen Zettel in die Hand zu drücken, um sie als Verdachtsfall zu informieren. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die Quarantäne dann überhaupt eingehalten wird. Auch hier kann ich der Stadt Wien erneut anbieten, seitens der Polizei zu unterstützen.“

Im Wiener Rathaus wurde auf APA-Anfrage am Sonntag jedoch einmal mehr betont, dass man die Unterstützung der Exekutive als nicht nötig erachte.

Opposition übt harsche Kritik
Mit harscher Kritik meldete sich am Sonntag die Rathaus-Opposition. Der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp sprach dabei von „Corona-Asylanten“. Entgegen der Aussagen des Gesundheitsstadtrats beharrte Nepp darauf, dass „die neue Coronavirus-Welle im Asylquartier seinen Ursprung hat“. Jetzt müsse unter anderem geklärt werden, wie es zu den Ansteckungen in den Postverteilzentren gekommen sei - und warum die „infizierten Asylanten“ nicht in Quarantäne gesperrt worden seien, forderte er.

Der nicht amtsführende ÖVP-Stadtrat Markus Wölbitsch forderte Gesundheitsstadtrat Hacker auf, endlich „aktiv gegenzusteuern“. Der Stadtrat, so befand er in einer Aussendung, habe die Corona-Krise nämlich „noch nie richtig ernst genommen“.

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