31.03.2020 09:56 |

„Zerstörungsfrei“

3D-Scanner erleichtert Spurensicherung am Tatort

Der Täter hat Schuhabdrücke hinterlassen, auch Reifenspuren sind am Tatort zu sehen. Die Spurensicherung gießt solche Abdrücke üblicherweise mit Gips aus - ein langwieriges Verfahren, das die Spur zudem zerstört. Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF im deutschen Jena haben daher einen tragbaren 3D-Scanner entwickelt, der Spuren binnen Sekunden „zerstörungsfrei“ sichern soll.

Finden die Kommissare beim sonntäglichen „Tatort“ eine Leiche, so sammelt die Spurensicherung DNA-Spuren, sichert Fingerabdrücke, macht Fotos und gießt Schuhabdrücke, Reifenspuren oder andere Spuren mit Gips aus. Ganz ähnlich funktioniert auch die tatsächliche Spurensicherung bei der Kriminalpolizei. Doch der Informationsgehalt von Fotos ist beschränkt - so lassen sich beispielsweise keine Tiefeninformationen daraus ableiten. Auch das Ausgipsen von Schuhabdrücken und Co. hat seine Grenzen: Zum einen ist die Spur nach dem Ausgipsen zerstört, zum anderen braucht der Gips - insbesondere in nassen oder kalten Umgebungen - seine Zeit, um auszuhärten.

Tragbares Gerät arbeitet berührungslos und ist leicht bedienbar

Im Alltag sieht die Untersuchung mit dem Scanner so aus: Die Spurensicherung hält das Gerät über die Spur, beispielsweise den Schuhabdruck, und startet die Aufnahme. Zeitgleich macht eine am Scanner befestigte Kamera ein Foto. Ein paar Sekunden später sieht der Nutzer auf dem integrierten Display ein Vorschaubild. Auf diesem kann er erkennen, ob der Bildausschnitt passt, das Bild scharf ist und erhält bereits erste Ergebnisse. Die Detailauswertung folgt im Labor. Hier lassen sich dann beispielsweise die Länge eines Abdrucks oder die Tiefe des Schuhprofils analysieren, sowie Vergleiche mit Spuren anderer Tatorte oder einem Täter durchführen.

Um die Spuren dreidimensional vermessen zu können, setzen die Forscher auf sogenannte Musterprojektion. Zwei Kameras, die mit leicht unterschiedlichen Blickwinkeln auf die Spur schauen, nehmen jeweils ein Bild auf, während ein kleiner Projektor ein Streifenmuster auf die Spur strahlt. Anhand der Deformierung des aufgestrahlten Musters lassen sich geometrische Aussagen treffen. Die Messunsicherheit beträgt dabei lediglich 20 bis 100 Mikrometer. Die Aussagekraft der Daten sei somit mindestens genauso hoch wie die von Daten, die über das Ausgipsen gewonnen würden - wenn nicht sogar höher, hieß es.

Mittlerweile wird das Gerät von der italienischen Firma Gexcel vermarktet, die auch die passende Software zur Auswertung anbietet.

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