29.07.2010 11:03 |

Zu warme Ozeane

Nahrungskette durch Rückgang von Plankton in Gefahr

Pflanzliches Plankton (Bild), die Basis der Nahrungskette in den Weltmeeren, ist seit 1950 um 40 Prozent geschrumpft. Ursache sei vor allem die Erwärmung der Ozeane, berichten Forscher in der britischen Wissenschaftszeitschrift "Nature" und warnen vor dramatischen Auswirkung. Denn weniger Phytoplankton verändere nicht nur die marinen Ökosysteme, sondern auch die Erträge der Fischereiwirtschaft, so die kanadischen Biologen in ihrer Studie.

Demnach ging die Masse an Phytoplankton, das die Grundlage der Nahrung aller Meerestiere bildet, in den vergangenen 60 Jahren um rund 40 Prozent zurück. Satellitenmessungen seit Ende der 1970er-Jahre hatten auf Schwankungen im Phytoplankton-Gehalt der Meere hingewiesen, letztlich aber kein einheitliches Bild geliefert. Deshalb bezogen die kanadischen Forscher Daniel Boyce und Marlon Lewis von der Dalhousie University (Halifax) sowie Boris Worm vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung jetzt mehr und ältere Daten in ihre Untersuchung ein.

Knapp 450.000 Messdaten analysiert
Es handelte sich dabei um Messungen des Chlorophyll-Gehalts der Meere. Chlorophyll ist ein Pigment, das alle Phytoplankton-Organismen besitzen; daraus lässt sich die Phytoplankton-Biomasse ableiten. Das Team um Boyce analysierte insgesamt fast 450.000 Messdaten aus dem Zeitraum von 1899 bis 2008.

Die Auswertung ergab eine Parallele zwischen dem Rückgang des Planktons und dem Anstieg der Wassertemperaturen im Zuge des Klimawandels. Die Erderwärmung wirke sich somit direkt auf die Ozeane aus, die ohnehin schon durch Fischfang und Verschmutzung belastet seien, heißt es in der Studie. Dies gefährde die gesamte Nahrungsmittelkette, deren Grundlage das pflanzliche Plankton sei. Phytoplankton wird vom Zooplankton gefressen, etwa von winzigen Krebsen (Krill). Diese sind wiederum das Hauptnahrungsmittel unter anderem für Wale, Robben, Pinguine sowie für zahlreiche Fische und Seevögel.

Plankton wichtig für Sauerstoffproduktion
"Phytoplankton produziert die Hälfte des Sauerstoffs, den wir atmen, es reduziert den Gehalt an CO2 und ist letztlich auch ausschlaggebend für den Fischfang", hob Ko-Autor Boris Worm hervor.

Die exaktesten Angaben über die Biosphäre der Meere liefern heute Satellitenbilder, die aus dem All aufgenommen werden. Auswertbare Satellitenaufnahmen gibt es aber erst seit den 1990er-Jahren - was für Langzeitstudien nicht ausreicht.

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