Sorge um Bestände

Gefährliche Atemnot: Haben wir genug Geräte?

Österreich
26.03.2020 06:00

Es ist eine traurige Heldengeschichte aus Italien, die all die Tragik von Corona verdeutlicht. Ein 72-jähriger, herzkranker Priester ist mit dem Covid-19-Erreger infiziert. Verweigert im Krankenhaus das Beatmungsgerät, für das seine Gemeinde extra gesammelt hat. Überlässt es einem jüngeren Patienten. Der Priester stirbt vor einigen Tagen. Wird als Märtyrer gefeiert. Er lässt sein Leben, um ein anderes zu retten. Die Episode zeigt, wie wichtig Beatmungsgeräte sind (ein schwer Corona-Kranker stirbt laut Medizinern ohne diese Versorgung innerhalb weniger Stunden). Italien hat erheblichen Mangel, auch weltweit wird wie bei den Schutzmasken um Nachschub gekämpft. Wie schaut es in Österreich aus? 

Zurzeit sind laut „Krone“-Informationen 91 Personen wegen Corona auf Intensivstationen. Davor geisterten andere Zahlen herum, auch seitens des Gesundheitsministeriums - 26 Fälle waren es demnach. Die Zahlen wurden schließlich korrigiert. Minister Rudolf Anschober lässt jedenfalls aktuell Bestand und Bedarf an Beatmungsgeräten erheben („Mindestens 1300 müssten es österreichweit sein“, so die Auskunft aus dem Ministerium).

Es gibt demnächst 100 Stück mehr, wie die „Krone“ von anderer Seite erfuhr. Anschober will die Eigenproduktion. Dann sei man nicht mehr auf das Ausland angewiesen, auf das in Tagen wie diesen ohnehin nur bedingt Verlass ist (siehe zurückgehaltene Maskenlieferungen an deutschen Grenzen vor einigen Tagen). Beatmung made in Austria also.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) (Bild: APA/HELMUT FOHRINGER)
Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne)

Heimische Konzerne sollen helfen - so wie in den USA schon angelaufen (Automobilkonzerne wie Tesla wollen schon demnächst Geräte liefern). Es gebe bereits gute Kontakte, sagt Anschober. Die „Krone“ hatte schon vor Tagen zu dieser Option beim Ministerium angefragt. Und auch bei namhaften Konzernen, die zur Herstellung von Beatmungsgeräten beitragen könnten. Die Signale waren und sind noch immer durchaus positiv.

Der weltweite Run auf Beatmungsgeräte ist enorm. Es gibt nur eine Handvoll Großproduzenten. Das führende Unternehmen Getinge (Sitz in Schweden, Hauptproduktion in Deutschland) rechnet mit einer Produktionssteigerung von Beatmungsgeräten um 60 Prozent im Jahr 2020 gegenüber 2019 - da betrug die Stückzahl 10.000, sagt eine Sprecherin zur „Krone“. Und weiter: „Wir tun alles in unserer Macht Stehende, um die derzeit weltweit enorm gestiegene Nachfrage zu befriedigen.“ Ähnliche Zahlen bei Hamilton Medical, einem weiteren Global Player (Sitz in der Schweiz) - die Produktion in diesem Jahr soll von 15.000 im Vorjahr auf rund 21.000 ausgeweitet werden. Ähnliches berichtet das deutsche Drägerwerk.

Ein Krankenhaus in der italienischen Stadt Bergamo (Bild: AP)
Ein Krankenhaus in der italienischen Stadt Bergamo

Vorrangiges Ziel von Lieferungen ist jedenfalls Italien, der Hotspot der Epidemie in Europa. Denn dort gibt es zwar eine Firma namens Siare, die Beatmungsgeräte herstellt, aber die ist heillos überfordert. „Normalerweise stellen wir 160 Maschinen pro Monat her. Unser Ziel ist es, in vier Monaten 2000 herzustellen, das ist mehr als das Dreifache unserer monatlichen Produktion“, sagt Siare-Leiter Gianluca Preziosa. Um das Unmögliche möglich zu machen, hat man Soldaten als Hilfskräfte rekrutiert.

Übrigens: Das Beispiel des Priesters, der sein Atemgerät verweigerte, ist nur ein tragischer Fall von Opferbereitschaft unter vielen. Neben zahlreichen anderen Helfern sind bisher auch mindestens 60 katholische Seelsorger am Coronavirus in Italien verstorben. Viele von ihnen waren dem Aufruf von Papst Franziskus gefolgt und wollten Gläubigen in diesen dunklen Zeiten beistehen.

Erich Vogl, Kronen Zeitung

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