14.03.2020 14:41 |

Sorge in Italien

2000 Ärzte oder Sanitäter infiziert oder isoliert

In Italien wächst die Sorge um eine Gruppe, die in den vergangenen Wochen schier Unmenschliches geleistet hat und weiter leisten muss: um Ärzte und Krankenpfleger und all jene, die in den Spitälern bis an den Rand ihrer Kräfte arbeiten. Etwa 2000 von ihnen sind mittlerweile entweder infiziert worden oder unter Heimisolierung, schätzt der italienische Ärzteverband. Die Behörden kontrollieren streng die Einhaltung der drakonische Vorschriften zur Eindämmung der Coronavirus-Epidemie. Alleine bis Samstag wurden 7000 Italiener wegen Verstößen gegen die Quarantäne angezeigt.

Laut dem Gesundheitsbeauftragten der Region Lombardei, Giulio Gallera, sind zwölf Prozent aller Infizierten in Italien Sanitäter. Die meisten von ihnen sind in norditalienischen Krankenhäusern im Einsatz. Wegen des zunehmenden Bedarfs an Medizinern wurden auch pensionierte Ärzte reaktiviert. Auch Ärzte von Hilfsorganisationen und Privatkliniken werden eingesetzt.

Um den Sanitätern für ihren pausenlosen Einsatz gegen die Epidemie zu danken, kam es Samstagmittag zu einem landesweiten Flashmob. Die Italiener wurden aufgerufen, sich an den Fenstern und auf den Balkons zu zeigen. In vielen Städten, darunter Mailand, Bologna und Turin, schwenkten Menschen Plakate mit Dank an die Sanitäter.

7000 Italiener wegen Verstoß gegen Quarantäne angezeigt
Indes kontrollieren die italienischen Behörden streng die Einhaltung der drakonische Vorschriften zur Eindämmung der Pandemie. Nachdem das ganze Land am Donnerstag unter zweiwöchige Quarantäne mit Sperre von Geschäften und Lokalen gestellt worden ist, wurden allein am Freitag fast 7000 Menschen wegen Verstößen gegen die Quarantäne-Vorschriften angezeigt.

Insgesamt wurden 157.271 Personen kontrolliert, teilte das italienische Innenministerium am Samstag mit. Wer sich nicht an die Vorschriften hält, verletzt Paragraf 650 des Strafgesetzbuches, der Missachtung von Behördenverordnungen ahndet. Dabei drohen drei Monate Haft oder eine Geldstrafe bis zu 206 Euro.

Lieder gegen die Angst und die Einsamkeit
Nicht gegen die Vorschriften verstießen jene zahlreichen unter Quarantäne stehenden Italiener, die sich auch am Freitagabend auf ihre Balkone begeben hatten, um zu musizieren. Von Nord bis Süd stellten sich Menschen mit Instrumenten oder singend auf ihre Balkone oder an die Fenster, um Lieder gegen Angst, Einsamkeit und Langeweile in der Isolation anzustimmen - wie hier in Bologna oder Rom.

Italien stoppt spazierende Touristen in Badeortschaften
In Norditalien sind die Kontrollen verschärft worden, um zu verhindern, dass Touristen trotz der Coronavirus-Quarantäne entlang dem Meer spazieren. Die ligurische Riviera-Ortschaft Bordighera schloss den Zugang zu den Stränden. 40 Personen wurden in der Hafenstadt Genua angezeigt, weil sie sich von ihrer Wohnung entfernt hatten und sich ohne dringenden Grund auf der Straße aufhielten.

Autofahrer auf Fahrt zu Ferienwohnungen gestoppt
Unzählige Autofahrer aus den Grenzregionen, die ihre Ferienwohnungen an der ligurischen Riviera erreichen wollten, wurden am Samstag aufgehalten und angezeigt.

Italiener wollen mit dem Zug in den Süden
Inzwischen stürmten mehrere Menschen am Samstag die Züge von Mailand in Richtung Süden. Nachdem ein Großteil der Flughäfen geschlossen wurde, bleibt die Bahn der einzige Weg, um mit öffentlichen Verkehrsmitteln den Süden des Landes zu erreichen. Der Präsident der süditalienischen Region Apulien, Michele Emiliano, rief seine im Norden lebenden Mitbürger auf, nicht in den Süden zu ziehen. Die Gefahr sei, dass sich die Epidemie verstärkt in mittel- und süditalienische Regionen ausdehne, die bisher von der Epidemie zum Teil verschont geblieben sind.

Friaul ruft Slowenien zu Ende der Grenzkontrollen auf
Unterdessen rief die norditalienische Region Friaul-Julisch Venetien Slowenien zur Abschaffung der Grenzkontrollen auf. Auf dem Spiel seien die guten Beziehungen zwischen Italien und Slowenien, warnte der friaulische Präsident Massimiliano Fedriga in einem Schreiben. Die Grenzschließung verursache der italienischen Wirtschaft gravierende Schäden und erschwere Italiens Kampf gegen die Epidemie. Der italienische Frächterverband ANITA beklagte erhebliche Probleme für die Branche wegen der Grenzkontrollen an der Grenze zu Österreich und Slowenien.

Seit Mittwoch werden an den slowenischen Kontrollpunkten Gesundheitschecks wie Fiebermessungen durchgeführt. Nicht-slowenische Bürger bzw. alle, die keinen Wohnsitz in Slowenien haben, müssen ein ärztliches Attest vorweisen, dass sie negativ auf Covid-19 sind, sonst wird ihnen die Einreise verweigert. Bei Güterverkehr wird die Einreise nicht kontrolliert.

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