Die wiedererstarkten Ferraris hatten vor allem durch Alonso schon im Training überzeugt, nur um zwei Tausendstel hatte der spanische Doppelweltmeister seine erste Ferrari-Pole gegen Vettel verloren. Aber der deutsche Jungstar nutzte die große Chance im Heimrennen nicht. Nach erneuten Beschleunigungsproblemen konzentrierte sich der 23-jährige Lokalmatador so sehr darauf, Alonso abzudrängen, dass Massa nach dem Start links unbehindert in Führung gehen konnte.
Vettel kommt erst am Ende in Schwung
Damit war der Kampf um den Sieg auf der badischen Rennstrecke auch schon wieder gelaufen. Denn während Alonso hinter Massa eine Rekord-Runde um die andere drehte, kam Vettel ("Platz drei war Schadensbegrenzung") im 100. GP für Red Bull Racing erst gegen Rennende so richtig in Schwung. Sein australischer Teamkollege Mark Webber musste am Ende sogar froh sein, seinen angeschlagenen RB6 (Motorprobleme) auf Platz sechs ins Ziel zu bringen.
In der WM liegt Vettel nun gleichauf mit Webber (beide 136) auf Platz drei, beide sind nur 7 bzw. 21 Zähler hinter Button und dem führenden Hamilton. Die WM ist insgesamt durch das Ferrari-Double noch spannender geworden. Nachdem ihm Massa wenige Tage vor seinem 29. Geburtstag den 23. Sieg "schenken" musste, hat auch Alonso als Gesamt-Fünfter nur noch 34 Punkte Rückstand auf die WM-Spitze.
Box an Massa: "Fernando ist schneller als du"
Alles wäre also bestens, wäre da nicht diese ganz und gar nicht versteckte Stallorder in der 47. Runde gewesen. Nachdem Alonso mit einigen Attacken gegen Massa erfolglos geblieben war, beschwerte er sich beim Team ("lächerlich"), das gleich darauf reagierte. "Fernando ist schneller als du. Kannst du diese Nachricht bestätigen?", ließ Renningenieur Rob Smedley Massa aus der Box per Funk wissen.
Die Antwort blieb unbekannt, die Reaktion war aber deutlich. In der 49. Runde ließ der Brasilianer seinen Teamkollegen auf der geraden demonstrativ und unter Gas-Zurücknahme passieren. Gleich darauf entschuldigte sich das Team sogar bei Massa.
Während die Fahrer von Red Bull Racing in ähnlichen Situation bisher kein "Arrangement" getroffen hatten, sorgte ausgerechnet das Traditionsteam Ferrari, das schon 2002 mit dem Stallorder-Skandal in Österreich (Barrichello ließ Michael Schumacher vor dem Ziel passieren) für böses Blut und ein Stallregie-Verbot gesorgt hatte, wieder für einen Mini-Skandal.
"Alles war offensichtlich"
"Offensichtlicher geht's nicht mehr. Wozu besteht dieser Paragraf überhaupt", fragte sich nicht nur Red Bulls Motorsport-Chef Helmut Marko nach dem offensichtlichen Platztausch. Einen Einspruch machte man vom Verhalten der Rennleitung abhängig. Marko: "Alles war offensichtlich, die ganzen Aussagen sind dokumentiert. Da müsste die Rennleitung von sich aus aktiv werden."
Auch Ex-Rennfahrer und ORF-Kommentator Alexander Wurz hatte keine Freude mit der Ferrari-Aktkion. "Das hätten's auch gescheiter machen können, mit einem codierten Funkspruch oder so. Das aber war ein Scherz." Niki Lauda meinte: "Ein Ferrari-Doppelsieg mit einem Riesen-Schönheitsfehler." RBR-Teamchef Christian Horner sagte: "Teamorder sind nicht erlaubt, wir sind gespannt, was passiert. Es ist eine Schande und es war falsch, was hier abgelaufen ist. Die FIA muss sich das ansehen!"
Alonso mimt das Unschuldslamm
Bedeckt hielten sich die beiden betroffenen Fahrer. Alonso ging fast gar nicht auf die Aktion ein und meinte allen Ernstes: "Ich habe nur gesehen, dass Felipe langsamer geworden ist. Man muss jede Gelegenheit zum Überholen nützen." Massa, davor schon jahrelang Wasserträger von Michael Schumacher, sagte: "Ich habe nichts dazu zu sagen. Fernando hat mich einfach überholt!" Auf die Frage, ob man ihm nicht erlaubt habe zu gewinnen, sagte der brasilianische Edel-Domestik: "Alles, was ich weiß, ist, dass ich für das Team arbeiten muss. Und das habe ich getan, das ist das Wichtigste."
Das Ergebnis des Rennens:
Pl. | Name | Team | Abstand |
1 | F. Alonso | Ferrari | |
2 | F. Massa | Ferrari | 0:04.196 |
3 | S. Vettel | Red Bull | 0:05.121 |
4 | L. Hamilton | McLaren | 0:26.896 |
5 | J. Button | McLaren | 0:29.482 |
6 | M. Webber | Red Bull | 0:43.606 |
7 | R. Kubica | Renault | +1 Rnd. |
8 | N. Rosberg | Mercedes | +1 Rnd. |
9 | M. Schumacher | Mercedes | +1 Rnd. |
10 | V. Petrov | Renault | +1 Rnd. |
11 | K. Kobayashi | Sauber | +1 Rnd. |
12 | R. Barrichello | Williams | +1 Rnd. |
13 | N. Hülkenberg | Williams | +1 Rnd. |
14 | P. de la Rosa | Sauber | +1 Rnd. |
15 | J. Alguersuari | Toro Rosso | +1 Rnd. |
16 | V. Liuzzi | Force India | +2 Rnd. |
17 | A. Sutil | Force India | +2 Rnd. |
18 | T. Glock | Virgin | +3 Rnd. |
19 | B. Senna | HRT | +4 Rnd. |
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