Tatort passiert

Radler geriet wegen Google-Standort unter Verdacht

Digital
10.03.2020 08:50

Weil er zur falschen Zeit am falschen Ort war und die Standortbestimmung seines Android-Smartphones aktiviert hatte, ist ein Fahrradfahrer im US-Bundesstaat Florida ins Visier der Polizei geraten. Sie hatte von Google per Gerichtsbeschluss Auskunft darüber eingefordert, welche Geräte zum Zeitpunkt eines Einbruchs in der Nähe des Tatortes geortet wurden und hielt den Radfahrer Zachary McCoy für verdächtig.

Wie der US-Fernsehsender NBC berichtet, hatte McCoy eine Fitness-App namens RunKeeper auf seinem Smartphone installiert, die während einer Radfahrt durch die Nachbarschaft die Position des Mannes protokollierte. Die dafür nötigen Standortdienste hielten auch Google am Laufenden, was die Position des Mannes anging. Am Tag des Verbrechens sei er dreimal am Tatort vorbeigefahren, wodurch er in den Kreis der Verdächtigen rückte.

(Bild: AP)

Google informierte User über polizeiliche Anfrage
McCoy erfuhr von Google, dass die Polizei ihn als Verdächtigen betrachtete. Googles Rechtsabteilung teilte ihm im Jänner mit, dass die Polizei in Gainesville, Florida, Informationen aus seinem Google-Account angefragt hätte. McCoy nahm sich einen Anwalt und ließ diesen ausforschen, wieso die Polizei auf ihn gekommen war und welche Daten man genau einsehen wollte.

Wie sich herausstellte, war McCoy durch eine sogenannte Geofencing-Anfrage ins Visier der Behörden geraten. Dabei handelt es sich um einen richterlichen Beschluss, ähnlich einem Durchsuchungsbefehl, der Google dazu verpflichtet, die Daten aller in einer bestimmten Gegend zu einem bestimmten Zeitpunkt eingeloggten Android-Geräte bekanntzugeben. Als die Ermittler sahen, dass McCoy am Tag des Einbruchs dreimal am Tatort vorbeifuhr, machte ihn das verdächtig.

(Bild: AP)

Behörden stellen immer mehr Geofencing-Anfragen
Solche Geofencing-Anfragen der Polizei haben in den letzten Jahren in den USA stark zugenommen - laut NBC News von 2017 bis 2018 um 1500 Prozent, von 2018 auf 2019 um nochmals 500 Prozent. Dass bei solchen Anfragen auch Unschuldige ins Visier der Behörden geraten können, zeigte sich schon vor rund einem Jahr. Damals wurde bekannt, dass Google eine geheime Standort-Datenbank für Behörden betreibt, über die Polizisten auf einen Lagerarbeiter aufmerksam wurden, der in der Nähe eines Mord-Tatorts geortet worden war. Der Mann, der sich später als unschuldig erwies, saß aufgrund seiner Positionsdaten eine Woche hinter Gittern.

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