Abschuss oder Dialog?

Fischotter wird immer gefräßiger

Steiermark
10.03.2020 08:25

Der Konflikt um den Fischotter spitzt sich in der Steiermark zu. Landwirtschaftskammer, Teichwirtschaftsverband und Agrarlandesrat Hans Seitinger pochen auf eine Reduzierung der Fischräuber - ein verträgliches Maß sei längst weit überschritten. Die Naturschutzabteilung blockt.

Reiher, Kormoran und neuerdings auch der Seeadler machen den heimischen Teichwirten zusehends das Leben schwer. Das größte Problem stellt aber der Fischotter dar, bereits über 1000 Exemplare sollen laut neuen Erkenntnissen des Landes in der Steiermark leben: „Ich habe bereits vor 28 Jahren vor dem gefräßigen Tier gewarnt, richtig ernst nimmt das Thema aber bis heute keiner“, ärgert sich Bernadette Lucchesi, die im südsteirischen Weinburg auf 18 Hektar Wasserfläche Hecht, Karpfen und Co. züchtet.

Bernadette Lucchesi und ihr Mann Manilo Cosatti betreiben seit Jahrzehnten in Weinburg eine Teichwirtschaft. Die aktuellen Entwicklungen betrachten sie mit großer Sorge: „Otter und Reiher dezimieren unsere Fischbestände mittlerweile um 50 Prozent.“ (Bild: Sepp Pail)
Bernadette Lucchesi und ihr Mann Manilo Cosatti betreiben seit Jahrzehnten in Weinburg eine Teichwirtschaft. Die aktuellen Entwicklungen betrachten sie mit großer Sorge: „Otter und Reiher dezimieren unsere Fischbestände mittlerweile um 50 Prozent.“

Immer mehr Züchter geben auf
Dass die Situation speziell in den letzten Jahren für viele Teichbewirtschafter existenzbedrohend wurde, sagt auch die weiß-grüne Landwirtschaftskammer: „50 Betriebe mussten in der jüngeren Vergangenheit aufgrund der Probleme mit Fischräubern aufhören. Fischotter plündern mittlerweile jährlich 1000 Tonnen Fisch aus den Gewässern“, sagt Präsident Franz Titschenbacher.

Der steirische Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher. (Bild: Sepp Pail)
Der steirische Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher.

Investitionen liegen auf Eis
Die unerfreuliche Folge: Viele Züchter wollen aufgrund der ständig steigenden Nachfrage nach heimischem Fisch zwar in ihre Betriebe investieren und vergrößern, lassen es aber unter den vorherrschenden Bedingungen letztendlich dann doch bleiben.

Pro-Abschuss-Lobby formiert sich
Die Forderung, wonach der Otter nach Vorbild Kärntens und Niederösterreichs auch in der Steiermark bejagt werden darf, wird erstmals lauter: Sowohl Teichwirtschaftsverband als auch Landwirtschaftskammer verlangen jetzt, „die Überpopulation an Fischräubern auf ein verträgliches Maß zu reduzieren“. Ins selbe Horn stößt auch Agrar-Landesrat Seitinger: „Es ist höchst an der Zeit, den Bestand der derzeit über jedes sinnvolle Maß geschützten Fischräuber zu verkleinern um nicht in die volle Abhängigkeit ausländischer Fische zu kommen.“

Neue Naturschutzlandesrätin blockt ab
Die seit Kurzem für den Naturschutz verantwortliche SPÖ-Landesrätin Ursula Lackner will von einem Abschuss des streng geschützten Tieres jedoch nichts wissen: „Wir haben uns der Problematik angenommen und prüfen mögliche Maßnahmen, die sowohl den Fischotter schützen, als auch die Interessen der Teichwirte berücksichtigen. Zudem wird eine Dialoggruppe mit der Kammer und den Teichwirten eingerichtet.“ Lackner verweist darüberhinaus auf vorhandene Fördergelder für Fischotter-Abwehrmaßnahmen wie Zäune oder Netze.

Setzt auf den Dialog: Naturschutz-Landesrätin Ursula Lackner (SPÖ) (Bild: Christian Jauschowetz)
Setzt auf den Dialog: Naturschutz-Landesrätin Ursula Lackner (SPÖ)

Lackner verweist darüberhinaus auf vorhandene Fördergelder für Fischotter-Abwehrmaßnahmen wie Zäune oder Netze.

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