23.02.2020 23:25 |

Eurocity gestoppt

Coronavirus: Entwarnung nach Alarm im ÖBB-Zug

Nachdem am Sonntag ein ÖBB-Zug wegen zweier Coronavirus-Verdachtsfälle an der Brenner-Grenze gestoppt wurde, hat das Innenministerium am späten Abend Entwarnung gegeben. Aus Furcht vor Infektionen hatte die staatliche österreichische Eisenbahngesellschaft den Zugverkehr von Italien über den Brenner zuvor vorübergehend komplett eingestellt. „Die beiden coronaverdächtigen Personen wurden negativ getestet. Der Zug fährt daher in Kürze weiter“, teilte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) in einer Stellungnahme mit. Um 23.30 Uhr ging die Reise weiter, teilte die italienische Bahn mit.

„Alle Behörden haben in diesem Fall rasch und mit hoher Vorsicht gehandelt. Die Meldekette hat unverzüglich funktioniert“, so Nehammer. Bei allen Passagieren, die in Österreich aussteigen, werden Identitätsfeststellungen vorgenommen, hieß es.

An Bord des aus Italien kommenden ÖBB-Zuges hatten sich zwei Personen mit Fieber befunden, bei denen der Verdacht auf eine Infizierung mit dem Coronavirus bestand. Der Eurocity 86 war am Brenner gestoppt worden und durfte zunächst nicht nach Österreich weiterfahren. Die ÖBB teilten wenig später mit, alle Zugverbindungen mit dem Nachbarland über den Brenner seien vorübergehend ausgesetzt.

Zahlreiche Züge standen am Bahnhof Brenner
Die Einstellung des Zugverkehrs betraf am Sonntagabend die Züge EC86, EC1288, den REX1828 sowie den Express Nizza-Moskau D408. Die Züge EC86 und EC1288, der vom Brenner hätte abfahren sollen, standen am Bahnhof Brenner, die betroffenen Fahrgäste wurden vom ÖBB-Personal im Zug betreut. Insgesamt rund 500 Passagiere - mehrheitlich Österreicher und Deutsche - saßen an Bord der zwei italienischen Züge fest. Regionalzüge zwischen Innsbruck und Brenner blieben eine Station vorher stehen und kehrten um.

Der Eurocity 86 war am Sonntagnachmittag in Venedig abgefahren und hatte in Verona gehalten, nachdem zwei deutsche Fahrgäste mit Fiebersymptomen und schwerem Husten aufgefallen waren. Die beiden Frauen wurden daraufhin in einem Krankenhaus in Verona auf den Coronavirus untersucht, der Test war jedoch negativ. Der Zug fuhr daraufhin weiter, wurde jedoch am Brenner erneut gestoppt. Der zweite Zug, EC1288, konnte die Reise nicht antreten.

Nehammer: „Der Zug ist jedenfalls gestoppt“
„Der zuständige Bezirkshauptmann aus dem Bezirk Innsbruck-Land konnte durch die rasche Reaktion die Einreise nach Österreich per Bescheid verhindern“, hatte Innenminister Nehammer unmittelbar nach dem Stopp des Eurocity 86 mitgeteilt. Die weitere Vorgangsweise werde derzeit gemeinsam mit den italienischen Behörden koordiniert und geprüft. „Ich bin dazu im ständigen Austausch mit dem Landeshauptmann Günther Platter, um die weitere Vorgangsweise zu beraten“, so Nehammer weiter. 

Bei den italienischen Behörden löste der Beschluss, die Züge vorübergehend zu stoppen, Unmut aus. Es gebe keinen Grund dafür, da kein Coronavirus-Verdachtsfall an Bord bestätigt worden sei, hieß es. Wenig später dann die Entwarnung von österreichischer Seite.

Nehammer und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hatten vor den Ereignissen am Brenner am Sonntag betont, dass Österreich auf einen Ausbruch des Coronavirus bestens vorbereitet sei. Die Gesundheitslandesräte werden am Montag in Wien mit Anschober zusammentreffen, „zur weiteren Verstärkung der Abstimmung der Maßnahmen“ gegen das neuartige Coronavirus SARS-Cov-2. Grenzkontrollen gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus seien „derzeit nicht erforderlich“, stellte Anschober dann am Sonntagabend in der „Zeit im Bild 2“ klar.

Bereits drei Todesopfer in Italien
Mit drei Todesopfern und 152 Infizierten ist Italien weltweit auf Platz drei, in Europa gar auf Platz eins in der Liste der Länder mit den meisten Coronavirus-Erkrankungen aufgerückt. 55 infizierte Personen wurden ins Krankenhaus eingeliefert, 25 davon befinden sich auf der Intensivstation. Bislang 4000 Tests wurden landesweit durchgeführt.

Italiens Premier Giuseppe Conte warnte am Sonntag vor Panik. Er rief die Bevölkerung auf, sich an die Vorschriften der Gesundheitsbehörden zu halten. Seine Regierung plane eine Informationskampagne, um die Bürger über die mit dem Coronavirus verbundenen Risiken und über die Vorsichtsmaßnahmen aufzuklären. „Zusammen werden wir die Epidemie besiegen“, sagte Conte in einem TV-Interview mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender Rai1. Im Umgang mit dem Coronavirus-Notstand hat die Regierung den Fonds für Krisensituationen um 20 Millionen Euro aufgestockt.

Auch die italienischen Staatsbahnen wollen ihren Beitrag im Kampf gegen das Coronavirus leisten. So sollen an Bord Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt werden. An das Bahnpersonal sollen Atemschutzmasken und Plastikhandschuhe verteilt werden.

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