Warnung aufrecht

Gift im Hustensaft: Jetzt ermitteln die Behörden

Die Warnung vor Noscapin-Hustensäften ist, nachdem bei zwei Kleinkindern nach der Einnahme Vergiftungserscheinungen auftraten, weiterhin aufrecht. Alle Noscapin-Zubereitungen, die auf Einzelrezepten von Ärzten in Apotheken gemischt wurden, sollten nicht mehr verwendet werden. Die Gesundheitsbehörden versuchen derzeit, Klarheit über die Abläufe zu bekommen. Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Am Donnerstag warnte das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen offiziell vor den Hustensäften. Dem vorangegangen waren zwei Fälle von Vergiftungserscheinungen bei Kleinkindern - ein Bub und ein Mädchen im Alter von zwei und fünf Jahren - in Niederösterreich. Die betroffenen Kinder wurden im Landesklinikum Wiener Neustadt behandelt. Ihr Gesundheitszustand besserte sich rasch.

Hustensäfte mit Atropin verunreinigt
Es ergab sich laut BASG jeweils ein Verdacht auf eine Verunreinigung der Hustensäfte mit Atropin. Noscapin ist ein Hauptbestandteil von Opium. Opioid-ähnliche Wirkstoffe stehen seit Jahrzehnten auch bei schwerem Husten in Gebrauch. Noscapin-Hustensäfte auf Magistralrezepte und mit Herstellung in der einzelnen Apotheke werden relativ selten verwendet. Häufiger in Verwendung für kleine Kinder sind Zäpfchen.

Beim BASG liefen am Freitag die Recherchen zu der Affäre. „Stand der Dinge ist, dass die Originalproben auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt beschlagnahmt worden und unter Verschluss sind“, sagte die Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer, Ulrike Mursch-Edlmayr. Bei der Staatsanwaltschaft sei Anzeige erstattet worden.

Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung
Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt ermittelt nun gegen unbekannte Verdächtige wegen fahrlässiger Körperverletzung. Die Vorfälle datieren laut Erich Habitzl, Sprecher der Staatsanwaltschaft, vom 16. und 21. Jänner. Die Staatsanwaltschaft wurde Habitzl zufolge erst Mitte dieser Woche über die Vorkommnisse in Kenntnis gesetzt. Ein Sachverständiger soll nun die Hustensäfte auf „schädliche Inhaltsstoffe“ und auf „mögliche Giftbestandteile“ untersuchen, kündigte der Sprecher an.

„Uns geht es um die Sicherheit“
„Wir wissen von der Angelegenheit aus einem Protokoll der Polizei. An uns ist keine Nebenwirkungsmeldung gegangen. Uns geht es um die Sicherheit“, sagte BASG-Leiterin Christa Wirthumer-Hoche am Freitag. Für eine ins Detail gehende Aufarbeitung der Angelegenheit sei natürlich die Untersuchung der Proben der Medikamente notwendig. Dies dürfte auch einige Zeit dauern. Die Tests können in jedem für solche Untersuchungen entsprechend akkreditierten Labor durchgeführt werden. „Wir sind aktiv und werden Inspektionen durchführen“, sagte Wirthumer-Hoche.

Theoretisch können Fehler sowohl beim Produzenten der Grundsubstanzen als auch beim Transport oder bei der Herstellung in der Apotheke aufgetreten sein. Hergestellt und abgegeben wurden die Noscapin-Säfte auf Magistralrezept von zwei unterschiedlichen Apotheken in Wiener Neustadt. Laut Schnelltests könnten auch zwei unterschiedliche Zusammensetzungen der Hustensäfte in den beiden Fällen vorgelegen sein. Das war aber am Freitag noch nicht geklärt. Wie das alles zusammenpassen könnte oder nicht, werden erst die genauen Untersuchungen ergeben. Das könnte noch Tage dauern, hieß es am Freitag bei den Behörden.

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