20.01.2020 21:45 |

Lungenseuche in China

Weltweite Sorge vor Neujahrsfest-Reisewelle

Die Zahl der durch das mysteriöse Coronavirus ausgelösten Fälle von Lungenentzündung in China ist am Montag sprunghaft um das Dreifache auf rund 220 gestiegen. Laut den Behörden starb zudem ein weiterer Patient, womit bisher drei Todesfälle bekannt sind. Auch aus Nachbarländern wurden Infektionen gemeldet. Experten erklärten mittlerweile, dass der vermutlich von einem Tier übergesprungene Erreger anders als anfangs angenommen auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Die Sorge ist nun, dass sich das Virus noch deutlich stärker ausbreiten könnte, da zum chinesischen Neujahrsfest Hunderte Millionen Menschen auf Reisen gehen. Die Weltgesundheitsorganisation berief ihren Notfallausschuss ein.

Mit der gerade laufenden Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am Samstag wächst in China die Sorge vor einer weiteren Übertragung des Virus. Bei der größten jährlichen „Völkerwanderung“ sind einige Hundert Millionen Chinesen unterwegs. Asiatische Nachbarn, einige US-Flughäfen und auch der Flughafen in Rom haben wegen der neuen Lungenkrankheit inzwischen Fieberkontrollen bei der Einreise aus Wuhan eingeführt. In Europa wurden bisher keine von Reisenden eingeschleppten Fälle bekannt.

Erstmals seien Infektionen mit dem Coronavirus (2019-nCoV) an mehreren anderen Orten in China nachgewiesen worden, teilte die Gesundheitsbehörde der zentralchinesischen Metropole Wuhan, wo der Ausbruch begonnen hatte, am Montag mit. Außer in Wuhan, wo es rund 200 Fälle gibt, wurde von Patienten in der südlichen Provinz Guangdong sowie in Peking im Norden und in Shanghai berichtet. Zudem wurden sechs Verdachtsfälle in anderen Städten gemeldet.

Auch Mensch-zu-Mensch-Übertragung möglich
Chinas Gesundheitskommission teilte mit, der Übertragungsweg sei „noch nicht völlig verstanden“. Der Lungenexperte Zhong Nanshan, der für die Kommission arbeitet, erklärte aber, eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung sei mittlerweile zu bejahen. So sei eine Infektion bei medizinischem Personal bestätigt. Auch zwei Fälle in Guangdong gingen nachweislich auf eine Übertragung des Coronavirus von Mensch zu Mensch zurück. 

Zhong hatte 2003 daran mitgewirkt, das ganze Ausmaß der SARS-Epidemie bekannt zu machen. Damals hatte ein SARS-Virus von China ausgehend eine weltweite Pandemie mit 8000 Infizierten zur Folge, etwa 800 Menschen starben. Analysen des 2019-nCoV-Erbguts ergaben, dass es sich bei dem neuen Erreger um eine SARS-Variante handelt.

Video: Coronaviren sind Teil einer großen Virusfamilie

Präsident Xi: Gesundheit hat „absoluten Vorrang“
Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping schaltete sich am Montag erstmals in die aktuelle Gesundheitskrise ein und gab Anweisung, die Ausbreitung der Krankheit energisch einzudämmen. Die Sicherheit der Menschen und deren körperliche Gesundheit hätten „absoluten Vorrang“, zitierte ihn das Staatsfernsehen.

Zahl der Infizierten viel höher als bekannt?
Unterdessen ist das Virus auch in anderen Ländern der Region angelangt. Nach von Landesbehörden gemeldeten Fällen in Thailand und Japan gilt inzwischen auch in Südkorea eine Infektion als bestätigt. Alle vier Patienten, die im Ausland erkrankten, waren zuvor in Wuhan gewesen. Experten des Imperial College London gehen ohnehin davon aus, dass die Krankheit schon wesentlich stärker verbreitet ist. Nach ihrer Hochrechnung könnte es bereits mehr als 1700 Infizierte geben.

WHO-Notfallausschuss berät über mögliche Maßnahmen 
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilte am Montagabend mit, sie habe ihren Notfallausschuss einberufen. Die Experten würden am Mittwoch darüber beraten, ob ein internationaler Gesundheitsnotstand ausgerufen werden soll, hieß es. Damit würde die WHO schärfere Maßnahmen zur Bekämpfung der Seuche empfehlen. Dazu können unter anderem Grenzkontrollen, das Einrichten von spezialisierten Behandlungszentren oder mögliche Impfungen medizinischer Fachkräfte gehören.

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