18.01.2020 22:27 |

Während Theaterbesuch

Macron vor Demonstranten in Sicherheit gebracht

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Streiks gegen die Pensionsreform der französischen Regierung ist es bei einem privaten Theaterbesuch von Präsident Emmanuel Macron in Paris zu einem Zwischenfall gekommen. Rund 30 wütende Regierungsgegner versuchten am Freitagabend, eine Theatervorstellung, die der Präsident mit seiner Ehefrau Brigitte besuchte, zu stürmen. Die Polizei hielt den Mob zurück.

Macron selbst wurde dennoch für mehrere Minuten in Sicherheit gebracht. Anschließend kehrte er auf seinen Platz zurück und sah sich die Vorstellung bis zum Schluss an, wie es aus dem Umfeld des Staatschefs hieß. Gegen 22 Uhr trat Macron seine Heimreise in einem Auto an, begleitet von einer Polizeieskorte. Der Präsident teilte wenig später mit, dass er trotz des Vorfalls auch in Zukunft Theateraufführungen besuchen werde.

Journalist gab Demonstranten Tipp
Die Demonstranten waren nach eigenen Angaben durch Twitter-Botschaften auf den Theaterbesuch des Staatschefs aufmerksam geworden. Der Journalist und Aktivist Taha Bouhafs, der drei Reihen hinter Macron in derselben Vorführung saß, twitterte Fotos des Präsidenten aus dem Theatersaal. Er wurde noch in der Nacht in Polizeigewahrsam genommen. Dem 22-Jährigen wird nach Angaben aus Justizkreisen „Beteiligung an einer Gruppierung zur Begehung von Gewalttaten oder Schäden“ vorgeworfen.

Bouhafs hatte seinen Zehntausenden Twitter-Abonnenten vor Vorstellungsbeginn geschrieben: „Etwas braut sich zusammen. Das könnte ein unruhiger Abend werden.“ Der Journalist stellte zudem scherzhaft die Frage, ob er seine Schuhe nach dem Präsidenten werfen solle.

Nach mehr als sechs Wochen Streik ist die Stimmung in Frankreich weiter angespannt. Die Pensionsreform ist eines der zentralen Wahlkampfversprechen Macrons. Er will die mehr als 40 Pensionssysteme vereinheitlichen. Die Gewerkschaften fürchten massive Einschnitte für viele Berufsgruppen und machen seit Monaten dagegen mobil.

Theater-Protestaktion stößt auf heftige Kritik
Die jüngste Aktion der Demonstranten stieß aber auf scharfe Kritik. Wirtschaftsstaatssekretärin Agnes Pannier-Runacher warf den Aktivisten eine „undemokratische“ Haltung vor. Deren Devise sei „Die Minderheit gegen die Mehrheit, die Gewalt gegen den Respekt der Institutionen“, sagte sie dem Sender Europe 1. Wenn jemand versuche, auf diese Weise Druck auf Vertreter des Volkes auszuüben, sei dies „ein Angriff auf die Demokratie“.

Auch eine Streikaktion vor dem Pariser Louvre hatte am Freitag die Gemüter erhitzt. Dutzende Gewerkschaftsmitglieder blockierten aus Protest gegen die Pensionsreform den Haupteingang und hinderten Besucher am Eintritt. Am Samstag öffnete das Museum schließlich wieder seine Tore.

Pariser Metro: Beinahe Normalbetrieb ab Montag
Unterdessen wurde bekannt gegeben, dass die Pariser Metros ab Montag vorerst wieder normal verkehren werden. Die U-Bahn-Fahrer stimmten mehrheitlich für eine Aussetzung des Streiks, wie die Gewerkschaft Unsa am Samstag mitteilte. Die Gewerkschaft sei aber weiterhin „entschlossen, den Kampf fortzusetzen“.

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