18.01.2020 06:01 |

Weiß sie, was sie tut?

USA: Die Supermacht, die ihren Kompass verlor

Die USA wollten immer nur das Beste, bewirkten aber viel zu oft das Gegenteil: unnötige Kriege nach einer Kette von Fehlentscheidungen.

Brandherd der Welt ist nun schon seit Jahrzehnten der Nahe und Mittlere Osten, wo revolutionärer Islam und die Supermacht USA in immer neuen Variationen aufeinanderprallen. Was verteidigt die Supermacht dort eigentlich, wie sie behauptet? Freiheit in Saudi-Arabien? Freiheit für die Kurden? Die Interessen amerikanischer Petrokonzerne und Waffenproduzenten? Weiß sie überhaupt, was sie tut?

Der Verantwortung für die Welt nicht gewachsen
Das Folgende ist die kleine Geschichte einer Supermacht, die immer nur das Beste wollte, aber viel zu oft das Gegenteil bewirkte. Es ist das Phänomen einer Supermacht mit den besten Universitäten und politischen Thinktanks der Welt, deren Erkenntnisse in den politischen Entscheidungen keinen Niederschlag finden. Dies ist die Chronik ihrer unnötigen Kriege, die viel Leid in die Welt brachten, weil das politische System der Supermacht der Verantwortung für die Welt nicht gewachsen ist.

Hybris (Verblendung) ist das Schicksal von Supermächten und gleichzeitig die Ursache ihres Niedergangs am Ende der Kettenreaktion von Fehlern und Irrtümern. Beispiele:

Vietnamkrieg
Ursache war Washingtons „Dominotheorie“: Wenn Südvietnam Opfer der kommunistischen Aggression wird, würde in der Folge ganz Südostasien wie Dominosteine fallen.

Verhängnisvoller Irrtum: Der Widerstand gegen die USA war antikolonialer Nationalismus. Die USA wollten den Vietnamesen Glück und Freiheit bringen, aber jeder weiße Amerikaner erinnerte die Vietnamesen an die vertriebenen Franzosen; was aber die USA mit ihrem eingeschränkten Geschichtsverständnis nicht begriffen.

Die Bilanz des Irrtums: eine amerikanische Jugendgeneration in einem grausamen Krieg verheizt.

Naher Osten
Israels Politik der vollendeten Tatsachen haben die USA nie wirklich etwas entgegengesetzt, und seit Trump ist es sogar amerikanische Politik. Der ungelöste Nahostkonflikt gab und gibt arabischen Tyrannen und/oder islamistischen Fanatikern seit Jahrzehnten die beste Ausrede für ihr Wüten.

Saddam Hussein
Der mutwillige und verlogene Krieg im Irak hat den innerlich fragilen Staat zerrissen. Das blutige Chaos war die Geburtsstunde des IS und der Folgekriege gegen den Kalifenstaat. Dabei konnte der Iran den Einfluss auf den Irak ausweiten.

Die größte Lügengroteske war wohl jene mit den behaupteten Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins sowie sein Zusammenspiel mit der Al-Kaida von Osama bin Laden. Die Entwaffnung des Irak durch die UNO-Inspektoren wurde vorsätzlich ignoriert. US-Außenminister Powell zeigte im UNO-Sicherheitsrat eine Glasphiole mit Milchpulver als Beweis für das Supergift Antrax, angeblich im Besitz von Saddam Husseins Armee.

Und zur angeblichen „Achse Osama Bin Laden - Saddam Hussein“: So ein megalomaner Tyrann wie Saddam Hussein würde nie „Konkurrenten“ neben sich dulden.

Iran
Ohne Schah Mohammed Reza Pahlevi, diese tyrannische US-Marionette, hätte es 1979 keine Chomeini-Revolution gegeben. Dessen klerikalfaschistisches Diktaturregime nutzt seither raffiniert alle Schwachstellen der USA im Orient aus. Den Startschuss zur ultimativen Krise gab Trump mit dem mutwilligen Austritt aus dem Atomvertrag.

Die US-Regierung kritisiert, dass der Atomvertrag nur 15 Jahre den Bau einer iranischen Atombombe verhindert hätte. Nun ist der Vertrag schon nach fünf Jahren tot.

Irans Oberster Religions-, Revolutions- und Staatsführer Ayatollah Ali Khamenei hat mehrmals Atomwaffen als unmoralisch bezeichnet, aber er hätte zwei gute Gründe, den 2003 abgebrochenen Versuch, sie zu bauen, nun doch fortzusetzen:

Erstens: Atombewaffnung ist der ultimative Schutz. Das weiß Nordkoreas Kim Jong Un genau, und das erlebte Libyens Gaddafi, der sich Atomwaffen von den USA hatte ausreden lassen.

Zweitens: Wer sich in die Lage des Iran versetzt, sieht das Land von Atomwaffen umzingelt: im Norden Russland, im Osten Pakistan, im Westen Israel, im Süden die US-Flotte.

Trump
Das Problem mit Trump & Co. ist das Fehlen jeglicher konstruktiver, nachhaltiger Strategie. Einsatz von Gewalt macht nur Sinn mit einer politischen Begleitstrategie, falls man Stabilität schaffen will. Zudem ist Unberechenbarkeit voller Widersprüche ein Gefahrenmoment für Fehleinschätzungen der Gegenseite. Hauptbeschäftigung der US-Außenpolitik ist, aus unnötigen Kriegen wieder herauszukommen.

Keine Ausgeglichenheit
Die USA waren in ihrer Geschichte mal zu vertrauensselig, mal zu rabiat, aber nie ausgeglichen (die saudi-arabischen Täter von 9/11 konnten ihren Flugschein in den USA machen). Die „Vormacht der Demokratie“ stützt die ärgsten Diktatoren, wenn sie es für notwendig hält.

„Der Starke ist am mächtigsten allein“
Die Zahl der Freunde in der Welt schmilzt dahin. Trump handelt ohnehin nach dem Motto: „Der Starke ist am mächtigsten allein.“

Während sich die USA durch die Welt boxen, baut sich China als neue Großmacht auf. Ein neuer Kreislauf von Machtblindheit und Fehlern zeichnet sich ab.

Kurt Seinitz, Kronen Zeitung

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