17.01.2020 05:01 |

Irrtümer beim Essen

Ernährungsmythen unter der Lupe

Ein Großteil der Alltagsweisheiten, die für uns schon selbstverständlich sind, stimmen überhaupt nicht. Hier ein paar Beispiele aus der Gerüchteküche, die tatsächlich längst schon überholt sind.

Schnaps als Verdauungshilfe
Wer sich nach einem ausgiebigen Essen einen Obstler genehmigt, tut sich nur scheinbar etwas Gutes. Der berühmte Verdauungsschnaps nach fetten Speisen ist ein Mythos: Hochprozentiges verlangsamt die Verdauung, anstatt Erleichterung zu verschaffen. Denn Alkohol geht im Magen direkt ins Blut über und beeinflusst im Gehirn Areale, die für die Verdauung zuständig sind. Der Körper ist in erster Linie mit dem Abbau des Alkohols beschäftigt, anstatt das Gegessene zu zerkleinern. So wird die Verarbeitung im Magen verzögert und der Weitertransport der Nahrung in den Dünndarm gehemmt. Nach einer üppigen Mahlzeit sollte man lieber zu einer Schale Tee sowie Kaffee greifen oder spazieren gehen.

Flüssigkeitsräuber Kaffee
Wird regelmäßig Kaffee konsumiert, besteht keine erhöhte Wasser- und Natriumausscheidung, da verschiedene ausgleichende Mechanismen anscheinend effektiver arbeiten. Der Körper kann also den harntreibenden Effekt von Koffein ausbalancieren. Diese Annahme stützt sich auf Ergebnisse einer Studie: Nach mehrtägigem Konsum gleicher Mengen verschiedener koffeinfreier und -haltiger Getränke fanden sich in den 24-Stunden-Sammelurinproben keine Unterschiede bezüglich des Volumens und der Elektrolytausscheidung. Die Praxis, zum Kaffee ein Glas Wasser zu reichen, ist sicher kein Nachteil. Immerhin trinken viele insgesamt noch zu wenig. Nicht zuletzt können dadurch auch die Röstprodukte verdünnt werden - und das freut den empfindlichen Magen.

Kommt Mundgeruch aus dem Magen?
Das trifft nur in zehn Prozent der Fälle zu. Sodbrennen, Lebensmittelunverträglichkeiten oder eine Magenschleimhautentzündung können dahinterstecken. In den meisten Fällen ist die Ursache in der Mundhöhle oder im Nasen-Rachenraum zu finden. z. B. unzureichende Hygiene, Zahnerkrankungen oder eitrige Mandelentzündung.

Milch verschleimt
Etwas mehr als jeder Zweite glaubt, dass Milch verschleimt. Rund jeder Dritte meint, sie macht dick und jeder Vierte ist überzeugt, dass sie dem Knochen Kalzium raubt. Fettarme Milchprodukte zeichnen sich durch eine hohe Nährstoffdichte aus. Die mit dem weißen Getränk verbundenen Mythen kursieren immer noch. Es gibt bisher aber keine Untersuchungen, die negative Effekte auf die Entwicklung oder die Dauer von Atemwegserkrankungen belegen. Eine zu diesem Thema durchgeführte Analyse erkannte keinen Zusammenhang zwischen dem Milchkonsum und erhöhten Entzündungswerten im Blut. Der Mythos der verschleimenden Milch kann also ruhigen Gewissens widerlegt werden.

Abendessen macht dick
Studien aus den USA zeigten, dass sich die Nahrungsaufnahme am Abend nicht auf die Entwicklung des Körpergewichtes auswirkt. Eine höhere Zahl an Mahlzeiten ist sogar mit einem niedrigeren Risiko für Übergewicht verbunden. Ob man zu- oder abnimmt oder sein Körpergewicht hält, hängt davon ab, wie reichlich man generell über den Tag verteilt isst und natürlich davon, wie viel man sich bewegt. Stichwort: ausgeglichene Energiebilanz. Die Essenszeit ist für den Körper und seine Verdauungsarbeit dagegen nebensächlich.

Karin Rohrer-Schausberger, Kronen Zeitung

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