13.12.2019 06:00 |

Viele Fragen offen

Hypo-Skandal: Was ist mit den Milliarden passiert?

In der Nacht zum 14. Dezember 2009 wurde die Kärntner Hypo notverstaatlicht. Auch zehn Jahre später bleiben viele Fragen offen.

Als der damalige Finanzminister Josef Pröll nach der „Nacht der hitzigen langen Messer“ die Notverstaatlichung der Hypo verkündete, klang es furchtbar dramatisch: Die Rettung sei fünf vor zwölf passiert und wäre „alternativlos“ - denn hätte die Republik der Bayerischen Landesbank das Institut nicht um symbolische vier Euro abgekauft, hätten bei Geschäftsöffnung am Montagmorgen ein Bankrun und die Pleite des Landes Kärnten gedroht.

„Notverstaatlichung ohne Not“
Kärnten hatte für die Bank immer noch Milliardenhaftungen, die zur ersten Pleite eines ganzen Bundeslandes hätten führen können. Diese Version wurde erst viel später vehement infrage gestellt - in einem Untersuchungsausschuss sowie einem Bericht einer Kommission unter Irmgard Griss. Da war gar von einer „Notverstaatlichung ohne Not“ die Rede.

Geheim: Eigentümer schlossen Insolvenz aus
Und auch aus dem Verwaltungsrat der Bayern selbst ist mittlerweile ein brisantes Dokument aufgetaucht: Nur zwei Wochen vor den Verhandlungen mit Österreich hatten die Banker in München eine Insolvenz noch „vollkommen ausgeschlossen“, eine Beteiligung Österreichs angesichts des Milliardenrisikos für aussichtslos gehalten und daher geplant, die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) um Hilfe zu bitten.

Warum dann alles anders gekommen ist und Österreich letztlich auf der Hypo sitzen geblieben ist, bleibt wohl im Dunkel der Geschichte verborgen. Denn die Protagonisten von einst sind längst auf anderen Posten, das öffentliche Interesse an der Hypo ist gering.

Klar ist, dass die Notverstaatlichung den Steuerzahler bis heute 6,7 Milliarden Euro gekostet hat, wie das Finanzministerium und das Land Kärnten auf „Krone“-Anfrage bekannt geben.

„CSI Hypo“ suchte nach Verursachern
Nach den Verursachern des Finanzdebakels wurde anfangs eifrig gesucht - etwa durch eine eigene telegene „CSI Hypo“, die unter Wolfgang Peschorn, mittlerweile Übergangs-Innenminister, „jeden Zettel umdrehen sollte“, um den Skandal aufzuklären. Die Erfolge der Truppe waren allerdings bescheiden, die am Balkan vermuteten Mafia-Strukturen konnten nie wirklich ganz aufgedeckt werden, und auch das Geld bleibt verschwunden.

Aufgeräumt wurde lediglich mit zu leichtfertig vergebenen Krediten, die in den Boomjahren vor der Finanzkrise wohl nicht nur bei der Hypo üblich waren.

Von der Bruchlandung zur Wiener Börse
Als Hypo-Boss Wolfgang Kulterer wegen eines Darlehens für die marode Fluglinie Styrian Spirit das erste Mal hinter Gittern landete, war das für die österreichische Bankenszene wie ein Erdbeben. Dieser Verurteilung folgten viele weitere - anders als bei der BAWAG gab es nicht einen „großen“ Hypo-Prozess, sondern viele kleine.

Indische Familie übernahm heimisches Filialnetz
Die Hypo an sich existiert nicht mehr. Der futuristische Glaskomplex in Klagenfurt ist verkauft, die Abbaugesellschaft Heta soll bis Ende 2020 mit der Asset-Verwertung fertig sein. Das heimische Filialnetz wurde von einer indischen Familie übernommen (Anadibank) und die Balkantöchter um 50 Millionen Euro an ein Bieterkonsortium verkauft, an dem auch die oben genannte EBRD beteiligt ist - so erfolgreich übrigens, dass die Addiko mittlerweile sogar börsennotiert ist.

CHRONOLOGIE:
Die Bank:
1896 als Kärntner Landes- und Hypothekenanstalt gegründet, ab 1995 Hypo-Alpe-Adria-Bank AG. Unter Wolfgang Kulterer expandiert die Bank vor allem nach Südosteuropa.

Die Politik: Ein Kärntner Landesgesetz ermöglichte es, Haftungen für die Hypo zu übernehmen. Diese stiegen auf bis zu 24,7 Milliarden Euro an - das Zehnfache des Landesbudgets. Freiheitliche, Grüne, Rote und Schwarze hatten einstimmig für diese Bürgschaften gestimmt.

Der Verkauf: 2007 fädelte der verstorbene Landeshauptmann Jörg Haider den Verkauf der Hypo-Landesanteile an die Bayerische Landesbank ein. „Kärnten ist reich“, hieß es. Die halbe Milliarde Euro Erlös wurde in einem Zukunftsfonds geparkt.

Der Ruin: 2009 wurde den neuen Eigentümern klar, dass die Hypo „schwerwiegende Probleme in Kreditgeschäft, Kreditrisikomanagementverfahren, interner Organisation sowie bei aufsichtsrechtlichen Verstößen“ hat. Die Bank wird notverstaatlicht.

Die Bad Bank: Seit 2014 wird die Hypo als Heta abgewickelt. Ende 2020 sollen alle Aktiva verwertet sein.

Kerstin Wassermann, Kronen Zeitung

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