29.10.2019 09:15 |

Missbrauchsvorwürfe

Verein „Original Play“ prüft jetzt eigene Methode

Der Verein „Original Play“ zieht nach den schweren Missbrauchsvorwürfen erste Konsequenzen. „Wir überprüfen nun unsere Methode und ihre Regeln, die Ausbildung und die institutionellen Rahmenbedingungen für die Workshops“, gab der Verein am Dienstag in einer Aussendung bekannt. Außerdem riefen die Verantwortlichen erneut zu einem „kritischen und fairen Dialog“ mit allen Beteiligten auf.

„Die pauschale Ablehnung unseres Angebots, in dem die Prinzipien von Respekt und Schutz von Kindern wichtig sind, erschüttert uns genauso wie die Tatsache, dass die aktuellen Diskussionen bis hin zu Mord- und Gewaltdrohungen an Vertreter*innen unseres Vereins führt“, heißt es in der Aussendung.

„Original Play“ war nach einem Bericht des ORF öffentlich in die Kritik geraten. Der heimische Sender hatte in Zusammenarbeit mit der ARD das vom US-Amerikaner Fred Donaldson entwickelte Konzept genau unter die Lupe genommen - und ortete rasch Missbrauchsverdacht. So ermöglicht es das Programm fremden Erwachsenen, mit Kindern zu rangeln und auf Tuchfühlung zu gehen.

„Einladung zur Übergriffigkeit“
Der Verein bietet sein Konzept seit Jahren in deutschen Kindertagesstätten sowie österreichischen Kindergärten an. Donaldson behauptet, das spezielle Spiel über Jahre hinweg erforscht zu haben: „Die Idee von ‚Original Play‘ ist mein Versuch, das zu übersetzen, was uns Kinder und Tiere ohne Worte zu verstehen geben.“ Laut ORF-Recherchen hat der 76-Jährige aber tatsächlich Geografie studiert und weder eine pädagogische noch eine psychologische Ausbildung vorzuweisen. Experten sehen das Spiel als „Einladung für Übergriffigkeit“ und fordern ein Verbot des Vereins.

Wie der Verein am Dienstag selbst mitteilte, wurde die Zusammenarbeit seitens mehrerer Kooperationspartner in Österreich vorübergehend ausgesetzt. Nachsatz: „Die AuftraggeberInnen bestätigen uns, dass es in unserer Arbeit bislang keinen Grund zu Beanstandung gegeben hat. Wir haben Verständnis für diese Reaktion und Verständnis für die kritische Haltung besorgter Eltern.“

„Original Play“ betonte zudem, dass die im Rahmen des Programmes gelisteten Lehrlinge seit Jahren in dem Verein aktiv seien und „großteils pädagogische, soziale oder Gesundheitsberufe“ ausüben würden.

Gemeinsam mit den zuständigen Behörden und mit Kinder- und Gewaltschutzeinrichtungen werde nun an der vollständigen Aufklärung der Vorwürfe, aber auch „an jenen Schritten und Rahmenbedingungen, die es braucht, um unsere und ähnliche Angebote sicherer zu machen“, gearbeitet.

Volksanwaltschaft prüft
Indes leitete auch die Volksanwaltschaft ein Prüfverfahren ein. „Der Grat zwischen Berühren und Belästigung ist ein schmaler, deshalb handelt es sich um einen äußerst sensiblen Bereich“, erklärte Volksanwalt Walter Rosenkranz (FPÖ) am Montag. Die Volksanwaltschaft will von den Landeshauptleuten hinsichtlich der Kindergärten und vom Bildungsministerium betreffend der Schulen Auskunft bekommen, wie viele Einsätze von „Original Play“ es jeweils gegeben hat und ob es auch schon zu Beschwerden gekommen ist.

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