24.10.2019 12:48 |

Tragödie in Essex

Im Lkw langsam erfroren: 39 Tote stammen aus China

Die 39 Mittwochnacht in einem Lkw-Auflieger im britischen Essex gefundenen Toten waren chinesische Staatsbürger. Damit erinnern immer mehr Details an den grausigen Fund von vor 19 Jahren, als die Polizei in einem Lastwagen-Anhänger im englischen Hafen von Dover am Ärmelkanal 58 tote Chinesen gefunden hatte. Eine mögliche Verbindung zu einem nordirischen Menschenhändlerring wird immer wahrscheinlicher.

Auch der Fahrer des Trucks, in dem die wohl erfrorenen 38 Erwachsenen und ein Teenager, gefunden wurden, stammt aus Nordirland. Er wurde wegen des Verdachts auf Massenmord festgenommen, es ist aber noch nicht klar, ob er wusste, dass im Auflieger seines Lkw, den er nur wenige Stunden zuvor übernommen hatte, die Leichen von 31 Männern und acht Frauen waren. Laut „Daily Mail“ war er es, der den Notruf absetzte, der zu dem schrecklichen Fund in einem englischen Industriegebiet östlich von London führen sollte.

Überraschte Nachbarn: Familie ist im Dorf angesehen
Die Eltern des 25-jährigen Mo Robinson - die Polizei bestätigte die Identität des Verdächtigen nicht, die Ermittler sprechen nur von einem 25-jährigen Nordiren - flogen nach England, um ihrem Sohn beizustehen, berichtete der „Belfast Telegraph“. Nachbarn zeigten sich ebenso überrascht von der Festnahme. Die Familie sei angesehen im Dorf, und der 25-Jährige habe alle paar Wochen seine Eltern besucht. Auf seinem Facebook-Profil postete er immer wieder Bilder der Lkw, mit denen er unterwegs war.

„Wir helfen, wo wir können. Bleib stark“
Die Facebook-Seite HGV Drivers Northern Ireland postete am Mittwoch: „Wir helfen, wo wir können. Bleib stark.“ Versehen wurde der Beitrag mit dem Hashtag #standingwithMO. In einem weiteren Posting hieß es, der 25-Jährige sei „fälschlicherweise festgenommen“ worden.

Menschenhändlerring mit Verbindungen ins bulgarische Warna
Britischen Medienberichten zufolge wurden in der Nacht auf Donnerstag zwei Wohnungen in der Grafschaft Armagh in Nordirland durchsucht. Die Ermittler konzentrieren sich laut Medien auf einen Menschenhändlerring mit Verbindungen in die bulgarische Stadt Warna am Schwarzen Meer, in der der Lkw im Jahr 2017 registriert wurde. Seitdem ist das Fahrzeug nicht mehr im Land gewesen, wie es heißt. Nach Angaben eines bulgarischen Frachtverbandes ist dies aus Steuergründen aber nicht unüblich.

Weitere Spurensicherungen an „sicherem Ort“
Noch wurden die chinesischen Todesopfer nicht identifiziert. Der Lkw samt Auflieger wurde am Mittwochnachmittag an einen „sicheren Ort“ bei den Tilbury Docks in Essex gebracht. Dort finden die weiteren Spurensicherungs- und Identifizierungsarbeiten statt.

Die stellvertretende Polizeichefin von Essex, Pippa Mills, sagte, die Identifizierung der Opfer habe oberste Priorität. Es sei „absolut unerlässlich, dass die Ermittlungen mit dem größten Respekt für die 39 Menschen geführt werden, die ihr Leben verloren haben“. Mills kündigte an, dass es sich um eine „längere Untersuchung“ handeln werde.

Wenige Stunden vor Notruf Lkw-Auflieger übernommen
Die Polizei teilte zum Verdächtigen bislang nur mit, dass der 25-jährige Nordire wahrscheinlich am Wochenende aus seinem Wohnort in Nordirland mit einem Lkw nach Purfleet in England gereist war und im dortigen Hafen am Mittwoch gegen Mitternacht den Container übernommen hatte. Nur kurze Zeit später wurde er von einer Überwachungskamera aufgenommen.

Von Belgien über Wales nach England geschifft
Der Anhänger soll zuvor per Schiff vom belgischen Hafen Zeebrugge über Wales nach England geschifft worden sein. Er passierte am vergangenen Samstag die Grenze zu Großbritannien. Auch die belgischen Behörden nahmen entsprechende Ermittlungen auf. Diese „werden sich auf die Organisatoren und alle anderen Beteiligten des Transports fokussieren“, hieß es am Donnerstag von der belgischen Staatsanwaltschaft. Vorläufige Ergebnisse zeigten, dass der fragliche Anhänger am Dienstag um 14.49 Uhr in Zeebrugge an der belgischen Küste angekommen sei und den Hafen noch am selben Nachmittag verlassen habe.

Opfer bei minus 25 Grad langsam erfroren?
Wie lange sich die 39 Menschen in dem Container befunden haben und wann sie gestorben sind, ist noch nicht klar. Es dürften aber mindestens 15 Stunden gewesen sein. Laut Experten dürfte es in dem Kühllastwagen, der normalerweise Kekse geladen haben soll, minus 25 Grad gehabt haben, die Geschleusten dürften langsam erfroren sein.

Nach britischen Behördenangaben ist die Zahl der Migranten, die illegal in Frachtcontainern und Lkw nach Großbritannien geschmuggelt werden, im vergangenen Jahr gestiegen.

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