12.09.2019 06:00 |

Viel zu tun

Unser Schulsystem und der Weg aus dem Mittelmaß

In Sachen Bildung gibt es für die nächste Bundesregierung viel zu tun. Wo es im Schulsystem am meisten brennt, zeigt ein aktueller Vergleich von 36 Ländern.

Geht man nur nach dem Geld, hat Österreich die besten Voraussetzungen für ein Spitzen-Bildungssystem: 13.000 Euro gibt der Staat pro Kopf aus, berechnet anhand aller Schüler von der Volksschule bis zur Universität. Das ist um 4200 Euro mehr als der Schnitt der 36 OECD-Mitgliedsstaaten. Vergleicht man die Ausgaben mit der Wirtschaftsleistung, schafft es Österreich mit 4,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes allerdings nicht mehr über den Durchschnitt (fünf Prozent) hinaus.

Kinder verbringen weniger Zeit in der Schule
Nicht der einzige Punkt, in dem unser Bildungssystem maximal Mittelmaß ist. So verbringen unsere Kinder schon in der Volksschule nur 705 Stunden pro Jahr. Im OECD-Schnitt sind es 799, in Vorzeigeländern wie Dänemark gar 1051. Obwohl Schüler - und damit Lehrer - kürzer die Schulbank drücken, verdient das Personal deutlich mehr: Das durchschnittliche jährliche Einstiegsgehalt in der Volksschule liegt bei 38.700 Euro, im OECD-Schnitt bei 30.000 Euro. Das höhere Entgelt entspreche dem allgemeinen österreichischen Lohnniveau, sagt Lehrergewerkschafter Paul Kimberger.

„Mangel an jungen Lehrern“
Er hält finanzielle Anreize für notwendig: „Wir haben ohnehin einen Mangel an jungen Lehrern.“ Das bestätigt der Blick in die OECD-Statistik: Beinahe die Hälfte der Lehrer in Unter- und Oberstufen ist über 50 Jahre alt. International liegt der Anteil bei rund einem Drittel. Allerdings: Die Alterskurve verschiebt sich langsam zugunsten Jüngerer.

Kleine Klassen, aber Sozialarbeiter fehlen
Gut schneidet Österreich bei den Klassengrößen ab: In der Volksschule sind durchschnittlich 18 Kinder in einem Raum - nur in Lettland, Litauen und Luxemburg sind es weniger. Seit 2005 nahm die Klassengröße um acht Prozent ab. Doch auch hier habe man Aufholbedarf, erklärt Lehrergewerkschafter Kimberger, und zwar beim Unterstützungspersonal.

International gebe es davon im Schnitt doppelt so viel wie in Österreich, in Skandinavien viermal so viel. Für das Schuljahr 2019/20 wurde die Zahl der Sozialarbeiter zudem von 107 auf 76 gekürzt. „Das Problem der Lehrer ist, dass sie neben ihren eigentlichen Aufgaben auch noch Psychologen, Sozialarbeiter und Administratoren sein müssen.“ In der Volksschule fordert Kimberger gar eine Doppelbesetzung - weil Kinder in diesem Alter große Entwicklungsunterschiede hätten und dementsprechend unterschiedliche Betreuung bräuchten.

Positiv: Österreicher schließen Sekundärstufen ab
Positiv hält die OECD auch fest, dass fünf von zehn Österreichern nach der Pflichtschule eine sekundäre oder postsekundäre Ausbildung abschließen - also eine AHS-Matura, Lehre oder Fachausbildung (wie die Krankenpflegeschule). Das ist einer mehr als im internationalen Vergleich. Allerdings: Auch dieser Wert war hierzulande schon einmal höher …

Teresa Spari, Kronen Zeitung

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