06.09.2019 09:53 |

„Unsensibler Auftritt“

Johnson ignoriert kollabierende Polizeikadettin

Obwohl eine Polizeikadettin bei einer Rede hinter Boris Johnson einen Schwächeanfall erlitt, redete der britische Premierminister einfach weiter - deshalb muss sich der Tory-Politiker den Vorwurf gefallen lassen, unsensibel zu sein. Johnson hatte sich bei dem Auftritt verspätet und die Polizeischüler mehr als eine Stunde in Reih und Glied warten lassen.

Der britische Premier sorgte in der Akademie in Wakefield für einen Eklat. Als er in der Polizeischule eine Rede hielt, erlitt eine Kadettin einen Schwächeanfall und kollabierte - genau hinter dem Politiker, sodass die Kameras der Reporter den Vorfall gut einfangen konnten.

Johnson drehte sich zur Frau um und fragte: „Geht es Ihnen gut?“ Dann richtete er allerdings den Blick wieder in das Publikum und scherzte: „Alles in Ordnung, tut mir leid, ich denke, das ist ein Zeichen für mich, zum Ende zu kommen.“ Er beendete schließlich seine Rede ungerührt - die Kadettin konnte sich währenddessen wieder fangen und aufstehen.

„Das sagt alles, was man über diesen Mann wissen muss“
Das wenig einfühlsame Auftreten des Premiers sorgte bei seinen Gegnern für empörte Reaktionen. „Johnson hat die Schüler im Stehen warten lassen, und - wenig überraschend - eine von ihnen scheint in Ohnmacht gefallen zu sein“, sagte die innenpolitische Sprecherin der oppositionellen Labour-Partei, Diane Abbott. „Er hat gesehen, was da passiert ist, und hat es ignoriert. Das sagt alles darüber aus, was man über diesen Mann wissen muss - und wie wichtig ihm in Wahrheit der Polizeidienst ist.“

Eine Aussage des Premiers in Wakefield sorgte ebenfalls für Aufregung. Er erklärte, er würde keinesfalls mit der EU über einen Aufschub des Brexit verhandeln: „Lieber liege ich tot im Graben“, meinte Johnson.

Differenzen in Familie: Bruder Jo Johnson legte Funktionen nieder
Sein jüngerer Bruder Jo hatte am Donnerstag angesichts des Brexit-Dramas seinen Rücktritt als Abgeordneter der Tories und als Staatssekretär erklärt. „Ich war in den vergangenen Wochen zerrissen zwischen Loyalität zur Familie und dem nationalen Interesse - es ist eine unauflösbare Spannung“, schrieb Jo Johnson zur Begründung auf Twitter.

Angesprochen auf den Rücktritt räumte der Premier in Wakefield Meinungsverschiedenheiten mit seinem Bruder Jo in der EU-Frage ein. Dieses Thema spalte Familien und die Gesellschaft. Der Weg, das Land wieder zu einen, sei, „die Sache zu erledigen“ und sich auf wichtige Bereiche zu fokussieren, die die Bevölkerung beschäftigen, wie die Straßen sicherer zu machen und das Gesundheitssystem zu verbessern, sagte Johnson.

Antrag auf Neuwahlen scheiterte im Parlament
Eine weitere Niederlage hatte der Premier bereits am Mittwoch einstecken müssen: Er war mit einem Antrag auf Neuwahlen am 15. Oktober im Parlament gescheitert. Zuvor hatten die Abgeordneten einen Gesetzesentwurf verabschiedet, der eine Verschiebung des für Ende Oktober geplanten EU-Austritts bis Ende Jänner vorsieht, sollte es bis zum 19. Oktober keine Einigung mit der EU auf ein Abkommen geben. Damit soll ein harter Brexit ohne Abkommen vermieden werden, den Johnson notfalls in Kauf nehmen will.

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