29.07.2019 08:00 |

„Krone“ vor Ort

Das Bademeisterleben ist keine Fernsehserie

Sie sind Ansprechpartner für Tausende von Badegästen und müssen gleichzeitig auch noch auf alle aufpassen: Auch wenn Tirols Bademeister nicht jeden Tag zum Lebensretter werden, kümmern sie sich im Schwimmbad im Dienste der Gäste um alles mögliche. Die „Krone“ machte sich vor Ort ein Bild vom Bademeisterleben.

Beim Begriff „Bademeister“ denken viele an das klassische Bild aus der Serie „Baywatch“. Doch in Tirol läuft es anders als in Malibu. Die Sicherheit und der Komfort der Badegäste stehen natürlich im Fokus, doch Claus Triendl, Betriebsleiter des Baggersees in der Roßau und Bademeister, gibt ehrlich zu: „Wir retten nicht jeden Tag Leben.“ Doch was macht ein Bademeister dann den ganzen Tag, besonders wenn das Wetter nicht mitspielt?

Ein anspruchsvoller Job
Es gibt immer etwas zu tun, stellt Helmut Voppichler vom Völser Badl klar: „Immerhin müssen wir hier 16.000 Quadratmeter pflegen.“ Gartenarbeiten sowie Instandhaltung und Reinigung der Anlage sind genau so wichtig wie die regelmäßige Kontrolle der Wasserqualität und Technik. Manche Arbeiten können auf Schlechtwettertage angelegt werden, andere müssen regelmäßig durchgeführt werden, auch bei Badebetrieb.

Saison, ferial oder fix
Viele Wege führen zum Beruf des Bademeisters. Bei Voppichler war die Gemeinde eigentlich nur auf der Suche nach einer Saisonkraft. „Und jetzt mache ich das schon seit 27 Jahren.“ Die Ausbildung wird von der Wirtschaftskammer organisiert. Für Bademeister dauert sie zwei Wochen, man kann sich aber auch in zwei Tagen zum so genannten Badewart ausbilden lassen. Eine solche Stelle bietet sich auch als Ferialjob an.

Notfall zum Glück selten
Auf die Sicherheit der Badegäste achtet natürlich immer jemand. Von einem einfachen Turm aus hat man aber nicht gleich alles im Blick, weiß Triendl: „Man kann nicht nur stur an einem Platz sitzen. Es gibt gefährliche Stellen, die man sowieso immer im Auge behält. Wir halten auch alle über Funk Kontakt.“ Es komme aber höchstens einmal im Jahr zu einem echten Notfall. Auch Voppichler kann bestätigen, dass es selten zu Vorfällen kommt. „Ein Schlaganfall oder ein Kreislauf-Kollaps sind schon passiert, auch im Wasser. Aber bei uns ist alles noch so überschaubar, dass sofort jemand aufmerksam wurde.“

Mit Herz und Seele dabei
Derzeit tummeln sich täglich um die 2000 Gäste im Völser Badl und es werden jedes Jahr mehr. Da kommt es schon manchmal zu Zankereien. Voppichler kam schon vor langem zu dem Schluss: „Immer mehr Familien kommen einfach schon gestresst herein.“ Er würde sich wünschen, mehr Besucher würden ihren freien Tag einfach ganz entspannt genießen. Trotzdem liebt er seinen Beruf: „Man kann sich darin einfach verwirklichen.“ Und auch Triendl würde den Job jederzeit weiterempfehlen: „Vor allem, wenn man gerne draußen ist und mit Menschen in Kontakt tritt.“ Denn als Bademeister ist man immer für die Gäste da.

„Der gute Geist im Schwimmbad“
Bernhard Wanner, Fachgruppengeschäftsführer der Tiroler Bäder in der Wirtschaftskammer, kennt sich in Sachen Bäderpersonal aus.

Gibt es einen Unterschied zwischen einem Badewart und einem Bademeister?
Ja, insgesamt gibt es sieben verschiedene Module in der Ausbildung von Bäderpersonal. Während ein Badewart die Ausbildung in zwei Tagen abgeschlossen hat, dauert sie für Bademeister zwei Wochen - sie müssen schließlich Manager, Chemiker, Sicherheitsexperte und Ansprechpartner sein.

Wie viele Tiroler lassen sich jährlich zu Bäderpersonal ausbilden?
2005 wurde der Kurs eingeführt. Man spürt generell einen großen Andrang - heuer waren es 74 Teilnehmer insgesamt, letztes Jahr haben wir sogar zwei Kurse mit 136 Auszubildenden veranstaltet. Wir hoffen, schon nächstes Jahr unseren tausendsten Kursteilnehmer begrüßen zu dürfen.

Wie schlagen sich Frauen in dem Berufsfeld?
Derzeit machen Damen ungefähr 16 Prozent im Kurs aus. Der Beruf des Sommerbadewarts ist eher männlich geprägt. Frauen arbeiten lieber im Hallenbad oder in der Sauna, sie tendieren eher zu den Vollzeitjobs.

Wie viele Bademeister braucht es pro „Bad“?
In manchen Ländern wird das einfach pro Becken festgelegt - aber hier bei uns gibt es die Risikoanalyse. Der Schwimmbadbetreiber geht mit Experten durch seine Anlage und sie legen gemeinsam genaue Sicherheitsmaßnahmen fest. Dabei geht es nicht nur um Bäderpersonal, sondern zum Beispiel auch um rutschfeste Fliesen, Abflüsse, Geländer und alles andere, was zur Sicherheit des Zielpublikums beiträgt.

Ist der Job so anspruchsvoll wie die Ausbildung?
Ja, deswegen gibt es vor allem im Sommerbäderbetrieb starke Fluktuation. Schließlich muss man den ganzen Tag die Hitze aushalten und auch körperliche Arbeit leisten. Außerdem ist ein Bademeister immer für die Gäste da - er ist sozusagen der gute Geist im Schwimmbad!

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