15.07.2019 06:00 |

Nach Postenschacher

Edtstadler will „Vertrauen in EU wiederherstellen“

Eigentlich sollte sie EU-Kommissarin werden, nun ist sie ÖVP-Delegationsleiterin im Europäischen Parlament. Im „Krone“-Interview spricht die ehemalige Staatssekretärin Karoline Edtstadler über das Bild der EU, Hinterzimmer-Deals und Gerüchte, dass sie ein Ministeramt übernehmen soll.

„Krone“: Frau Edtstadler, am Dienstag soll Ursula von der Leyen zur neuen EU-Kommissionspräsidentin gewählt werden. Doch es könnte eng werden für die deutsche Verteidigungsministerin. Wie beurteilen Sie den Brüsseler Postenschacher?
Karoline Edtstadler: Ich bin maßlos enttäuscht darüber, wie das zustande gekommen ist. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat das Spitzenkandidaten-System umgebracht. Das Ganze ist ein gewaltiger Rückschritt, und es wird viel brauchen, um das Vertrauen in die Europäische Union wiederherzustellen. Aber Ursula von der Leyen ist eine hervorragende Kandidatin, eine Frau an der Spitze ist ein gutes Zeichen. Ich höre auch, dass immer mehr Abgeordnete für sie sind und das Pendel in eine positive Richtung schlägt.

Es ist nicht überraschend, dass Sie enttäuscht sind. Es galt als ausgemacht, dass Sie EU-Kommissarin werden, falls Manfred Weber, Spitzenkandidat der Europäischen Konservativen und als solcher auch Wahlsieger, an die Spitze der Kommission rückt.
Das war immer nur eine Spekulation. Ich verstehe mich sehr gut mit Johannes Hahn (Anm.: dieser soll seine dritte Amtszeit als Kommissar antreten), er ist sehr besonnen und kompetent.

Apropos Spekulationen: Es gab auch immer wieder Gerüchte, dass Sie in der neuen Regierung den wenig beliebten Justizminister Josef Moser ablösen. Was ist da dran?
Es gibt so viele Spekulationen. Noch ist nicht klar, wie die Wahlen am 29. September ausgehen und welche Mehrheiten es danach gibt. Ich freue mich jetzt auf die Delegationsleitung und setze alles daran, für die Bürger in der EU zu arbeiten.

Das klingt jetzt nicht nach einer klaren Absage an eine rasche Rückkehr nach Österreich. Noch einmal gefragt: Werden Sie nach der Nationalratswahl im Europäischen Parlament bleiben?
Ich habe gelernt, dass man in der Spitzenpolitik flexibel bleiben muss. Die Aufgabe in der EU macht mir riesige Freude, ich wünsche mir aber auch eine handlungsfähige Regierung.

Nun gut, zumindest jetzt sind Sie in Straßburg. Die EU hat jedoch in den vergangenen Wochen nicht gerade geglänzt. Ist das der Arbeitsplatz, den man sich wünscht?
Ja, die EU ist alternativlos. Die Hinterzimmer-Deals waren zwar nicht förderlich, aber ich brenne für die EU, und ich will die Bürger mitnehmen.

Doris Vettermann, Kronen Zeitung

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