11.07.2019 06:00 |

Russell Thomas

Mozart fordert von dir die allerhöchste Präzision

Nach „La Clemenza di Tito“ ist für den amerikanischen Tenor „Idomeneo“ bereits die zweite Zusammenarbeit mit Peter Sellars und Teodor Currentzis in Salzburg. Im Interview spricht er über die Produktion, über seine Faszination zu Mozart und seinen kleinen Sohn. Außerdem verrät er, warum ihn seine Mutter lieber als Manager anstatt Sänger sehen würde.

Herr Thomas, Sie stehen als Idomeneo in der gleichnamigen Mozart-Oper auf der Bühne. Es inszeniert Peter Sellars und Teodor Currentzis steht am Pult. Mit beiden haben Sie bereits bei ihrem Festspieldebüt 2017 in „La Clemenza di Tito“ zusammengearbeitet.

Mit Peter Sellars habe ich schon viele Produktionen gestaltet. Die Erste war 2006 Mozarts „Zaide“ bei den Wiener Festwochen. Ich kenne ihn demnach sehr gut, und weiß, was er erwartet. Mit Currentzis war es 2017 meine erste Zusammenarbeit. Er ist nicht leicht, aber ein absolutes Genie. Er hat so ein unglaubliches Wissen über Mozart, dass man ihm blind vertrauen kann, selbst wenn er sehr spezielle Wünsche hat und Sänger enorm fordert. Ich liebe seine Art Mozart zu interpretieren. Es ist anders als gewohnt. Aber nach dem Erfolg von „Clemenza di Tito“ bin ich überzeugt, dass auch „Idomeneo“ eine wundervolle Produktion wird.

Peter Sellars bringt eine sehr moderne Version von Mozarts Drama rund um den kretischen König Idomeneo, der nach siegreicher Schlacht gegen Troja fast vom Meer verschluckt wird, auf die Bühne. Er soll sogar Bezug auf den Klimawandel nehmen. Was erwartet das Publikum?

Es ist nicht leicht zu erklären: Neptun ist erzürnt über die kriegerische Zerstörung und bestraft Idomeneo, indem er ihn auffordert seinen Sohn Idamente zu opfern Dieses Opfer ist quasi ein Symbol dafür, was uns bzw. unsere Nachkommen aufgrund der Zerstörung der Weltmeere durch Plastikmüll noch erwartet.

Mozart begleitet Sie seit Beginn ihrer Karriere. Den Tamino haben Sie an die 100 Mal gesungen. Was macht Mozart so faszinierend für Sie?

Ich bin durch James Levine bei meinem Studium an der Metropolitan Oper auf Mozart gekommen. Er hat damals verlangt, dass ich all seine Opera seria einstudiere. Das Lustige ist: die erste, die ich gesungen habe, war Idomeneo. Mozart macht einen Interpreten zum ehrlichen Sänger, denn er verzeiht nicht den geringsten Fehler. Er fordert einen mit höchster Präzision klar und rein zu singen. Es ist, als würdest du nackt auf der Bühne stehen - du kannst nichts verstecken.

Ihr Repertoire umfasst auch Verdi, Donizetti, Janácek oder Beethoven.

Ich brauche die Abwechslung. Immer das Gleiche zu singen, oder mich nur auf drei, vier Partien zu konzentrieren, langweilt mich. Außerdem wird man auch schnell abgestempelt.

Wann entstand der Wunsch Sänger zu werden?

Ich hab in meiner Kindheit im Kirchenchor gesungen und für mein Leben gerne Opern gehört. Mein Schlüsselerlebnis hatte ich allerdings in der Highschool. Ein Opernsänger hat mich beim Vorsingen gehört, und ab diesem Zeitpunkt hat sich mein Leben schlagartig verändert. Ich nahm Gesangsunterricht, bewarb mich an diversen Ausbildungsstätten, und wurde sofort genommen – es war einfach Bestimmung.

Sind Ihre Eltern auch Sänger?

Nein, meine Eltern haben nichts, wirklich gar nichts mit klassischer Musik am Hut (lacht).

Aber sie werden bestimmt stolz auf ihren Sohn sein?

Ich scherzte immer damit: Wenn ich meiner Mutter erzähle, dass ich mein Met-Debüt feiere, würde sie mich bloß fragen, was ist die Met? Sag’ ich allerdings, ich hab einen Manager-Posten bei McDonalds, würde sie vor Stolz ausflippen (lacht). Sie hat einfach keinen Bezug zu klassischer Musik, und ist auch immer überrascht, wenn mich Leute auf der Straße erkennen.

Haben Sie selbst Familie?

Ja, sie ist gerade in Salzburg zu Besuch. Ich war unlängst mit meinem Sohn zu seinem fünften Geburtstag in der Erlebniswelt in Strasswalchen, das war ein Spaß. Außerdem liebt er, wie ich, Schnitzel und Kaiserschmarrn (lacht).

Was, wenn er in ihre Fußstapfen tritt?

Er spielt bereits Klavier und hat auch große Freude daran. Mal schauen, wie es sich weiterentwickelt.

Bei den Festspielen zu gastieren ist eine Ehre. Nervös?

Natürlich! Wenn ich es nicht wäre, hätte ich ein Problem. Nervosität gehört dazu, schließlich ist es eine große Verantwortung bei einem der besten Musikfestivals der Welt aufzutreten.

Was erwarten Sie vom Publikum?

Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Zuseher hassen - oder lieben die Oper. Und selbst, wenn sie sie hassen, ist es okay. So hat sie die Oper zumindest in irgendeiner Form berührt. Das Schlimmste ist, wenn es dem Publikum egal ist.

Sie haben Deutsch am Goethe-Institut in Rothenburg gelernt, dennoch führen wir das Interview auf Englisch.

Ich verstehe nahezu jedes Wort, aber vorm Sprechen fürchte ich mich, aus Angst mich zu blamieren. Aber ich kann auf Deutsch sehr gut mein Essen bestellen, den Weg beschreiben und natürlich singen (lacht).

Mozart, Idomeneo: Premiere 27.7., 18.00, Felsenreitschule

Tina Laske
Tina Laske

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