06.06.2019 16:04 |

„Wie heimkommen“

Van der Bellen ist jetzt Ehren-Kaunertaler

Der erste Mann im Staat ist nun auch einer der ersten Kaunertaler: Bundespräsident Alexander Van der Bellen wurde am Donnerstag im Rahmen eines „Landesüblichen Empfangs“ die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatgemeinde Kaunertal in Tirol verliehen. Der sichtlich bewegte Bundespräsident meinte: „Für mich ist das wie noch einmal heimkommen“.

Schützen, Musikkapelle, Fahnenabordnungen sowie zahlreiche Einheimische: Der Platz vor dem Gemeindeamt des 602 Einwohner zählenden und auf 1.287 Meter Höhe gelegenen Ortes war rappelvoll. Alle waren gekommen, um den größten Sohn der Gemeinde hochleben zu lassen. Ehrensalven, Bundeshymne, Tiroler Landeshymne „Zu Mantua in Banden“, Schnaps-Ausgabe - nichts durfte fehlen, was zu so einem „Landesüblichen Empfang“ gehört. Tirol wie aus dem Klischee-Bilderbuch.

Kinder und Musik
Berührend und authentisch, wie die Kaunertaler ihren „Saschi“, wie Van der Bellen laut Bürgermeister Josef Raich in der Gemeinde genannt wird, hochleben ließen. Kinder brachten musikalische Ständchen bzw. Gesangseinlagen dar - und Ortschef Raich beschrieb in bewegenden Worten die Persönlichkeit Van der Bellens und sein Leben mit und im Kaunertal. Beschrieb - in Anwesenheit von Van der Bellens Gattin Doris und seinen Söhnen - das damalige Ankommen des jetzigen Staatsoberhaupts als „Flüchtlingskind“ kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges - mit seiner estnischen Mutter und seinem russischen Vater.

„Einer von uns“
„‘Ein Weltkaufmann mit seiner Familie kommt ins Kaunertal‘ haben damals alle gesagt“, so Raich. „Einer von uns“ sei Van der Bellen geworden, die starke Verbundenheit mit dem Kaunertal habe bis heute angehalten. Der Präsident nennt noch eine Wohnung in der Gemeinde sein eigen, einer seiner Söhne lebt in dem Tal. „Diese Ehrung bedeutet aber auch eine Pflicht, nämlich dass du unser Kaunertal weiter hochhältst, Saschi“, mahnte der Bürgermeister das Staatsoberhaupt lächelnd.

Mehr als symbolische Geste
„Ihr könnt euch nicht vorstellen, was das heute für mich bedeutet“, meinte Van der Bellen in seiner, im Dialekt gehaltenen, Dankesrede. Es handle sich um weit mehr als eine symbolische Geste: „Es war nicht selbstverständlich, dass meine Familie und ich damals so aufgenommen wurden und so integriert wurden“. Das Kaunertal sei für ihn Heimat, und: „Auch die Sprache ist Heimat. Ich protestiere gegen das Wort Dialekt. Wir sollten uns die eigene Sprache bewahren“.

Auf Verleihung wollte er nicht verzichten
Auf die wegen der Regierungskrise und der ausgerufenen Neuwahlen turbulenten vergangenen Wochen ging Van der Bellen nur kurz ein. Bei der Verleihung der Ehrenbürgerschaft im Kaunertal habe er jedenfalls unbedingt dabei sein wollen, „egal was da in Wien passiert“. „Aber es ist eh alles gut gegangen“, so Van der Bellen in der für ihn typischen Art.

Platter ließ ihn hochleben
Zuvor hatte Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) Van der Bellen einmal mehr hochleben lassen: „Du hast ein Gespür, ein Herz für die Leute und die Republik Österreich“. Mit seiner ruhigen, umsichtigen Vorgangsweise und seinen markanten Worten und Sätzen habe der Präsident die Menschen in den vergangenen Wochen bewegt, erklärte Platter unter anderem vor vielen Bürgermeistern aus ganz Tirol, die im Rahmen des Tiroler Gemeindetages ins Kaunertal kamen.

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