Kroatien hat die Überheblichkeit von Frankreichs Ballkünstlern bestraft und die vorzeitige Qualifikation des Titelverteidigers für das Viertelfinale der Fußball-EM verhindert. Nach einem Kraftakt im zweiten Durchgang trotzte der WM-Dritte von 1998 der "Equipe tricolore" am Donnerstag in Leiria ein 2:2 (0:1) ab und wahrte damit die eigene Chance auf das Weiterkommen.
Durch einen Doppelschlag von Milan Rapaic (48./Foulelfmeter)und Dado Prso (52.) machten die Kroaten vor 30.000 Zuschauernim Estadio Magalhaes Pessoa den Rückstand wett, fürden Igor Tudor (22.) gesorgt hatte, der einen Freistoß vonZinedine Zidane ins eigene Tor abfälschte. David Trezeguet(64.) sicherte den erneut am Rande einer Niederlage stehendenFranzosen im zweiten Spiel der Gruppe B wenigstens noch einenZähler.
Franzosen werden nachlässig Nach dem Führungstor ruhten sich die Franzosenauf ihren Lorbeeren aus und taten nur noch das Nötigste,um den zunächst harmlosen Gegner in Schach zu halten. Erstin der Schlussphase drehte der Favorit noch einmal auf und wardem Siegtor mehrfach nahe. In seinem abschließenden Spielam Montag gegen die Schweiz reicht dem Team von Trainer JacquesSantini trotz des überraschenden Punktverlustes bereits einUnentschieden, um das erste Etappenziel auf dem Weg zur Titelverteidigungzu erreichen. Kroatien muss nach der zweiten Punkteteilung gegenEngland unbedingt gewinnen, um weiterzukommen.
Zidane nur schwer zu stoppen Vier Tage nach seinem Doppelschlag zum 2:1 gegenEngland war Zidane von den Kroaten oft nur mit unsauberen Mittelnzu stoppen. Obwohl sich vor allem der Berliner Niko Kovac redlichbemühte, die Kreise des zweifachen Weltfußballers einzuengen,war der 31-Jährige von Real Madrid einmal mehr Dreh- undAngelpunkt des französischen Spiels und entzückte dieFans mit technischen Kabinettstückchen. Szenenapplaus erhieltZidane drei Minuten vor der Halbzeit, als er einen Eckball vonThierry Henry spektakulär mit der Hacke auf William Gallasweiter leitete. Der Abwehrspieler des FC Chelsea vergab per Kopfkläglich.
Französische Stars farblos Während "Zizou" am Führungstor mit einemseiner angeschnittenen Freistöße entscheidend beteiligtwar, blieben die anderen Asse der Franzosen blass. Auch die Kroatenboten im zweiten Turnierspiel 45 Minuten lang eine enttäuschendeVorstellung, wurden dann aber durch die Nachlässigkeit desFavoriten aufgebaut und zeigten plötzlich ihre Qualitätim Abschluss. Dabei musste Ivan Klasnic von Double-Gewinner WerderBremen erneut tatenlos zusehen. Der in der Heimat scharf angegriffeneTrainer Otto Baric vertraute erneut dem gegen die Schweiz schwachenSturm-Duo Prso und Tomo Sokota.
Elfer bringt Kroaten wieder ins Spiel Drei Minuten nach Wiederbeginn brachte ein Elfmeterpfiffvon Schiedsrichter Kim Milton Nielsen die Balkan-Elf ins Spielzurück. Der Däne ahndete einen Schubser von Mikael Silvestrean Giovani Rosso mit Strafstoß, den Rapaic sicher verwandelte.Danach witterten die Kroaten endgültig Morgenluft. Nach einemFehler des 35-jährigen Marcel Desailly, der für denMünchner Bixente Lizarazu in den Deckungsverband gerücktwar, unterstrich Prso erstmals bei der EURO seine Torgefährlichkeitund jagte den Ball unhaltbar für Barthez unter die Lattedes französischen Tores. Doch der Top-Favorit schlug nocheinmal zurück. Ausgangspunkt war erneut ein Fehler von PechvogelTudor, dessen Rückpass auf Schlussmann Tomislav Butina Trezegueterlief und zum Ausgleich im Tor unterbrachte.
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