30.04.2019 06:00 |

Massive Aufrüstung

So sicher sind Österreichs Straßentunnel heute

Nach mehreren Tunnel-Desastern mit vielen Toten wurden die 166 Straßenröhren Österreichs mit neuester Technik massiv aufgerüstet. Laut Asfinag sind sie nun die sichersten europaweit. Nicht immer gingen Tunnel-Unfälle in der Vergangenheit so glimpflich aus wie gestern im Rannersdorfer Tunnel (NÖ). Der Sachschaden ist enorm, aber verletzt wurde niemand.

Katastrophen wie im Tauerntunnel 1999 mit zwölf Toten, im Gleinalm- und im Ambergtunnel 2001 mit acht Toten haben sich ins kollektive Gedächtnis der Autofahrer eingebrannt. Tunnel-Tests der Autofahrerclubs deckten in der Folge haarsträubende Sicherheitslücken auf.

Milliardeninvestitionen
Die Konsequenz daraus ist eine massive technische Aufrüstung: „Viel Geld - nämlich knapp sechs Milliarden Euro - investierten wir von 2000 bis heute in die Tunnelsicherheit“, berichtet Asfinag-Geschäftsführer Stefan Siegele. Eine Vielzahl von Maßnahmen wurde umgesetzt - mit Erfolg: Beim schweren Zwischenfall im Oktober 2018 im Gleinalmtunnel (Stmk.), als ein tonnenschwerer Kranwagen Feuer fing, wurde niemand ernsthaft verletzt, 81 Menschen wurden gerettet.

Obwohl bereits alle 166 Tunnel in Österreich einen hohen Sicherheitsstandard aufweisen, bleibt die Tunnelsicherheit aber auch in Zukunft Thema, sagt Siegele: „Die Investitionen betreffen sowohl den zweiröhrigen Ausbau von Tunneln als auch die Ausrüstung mit Innovationen wie Thermoscannern, die überhitzte Motoren erkennen, und dem Akut-System, das Vollbremsungen hört und Alarm schlägt.“

Gute Aussichten, sich selbst retten zu können
Bei ÖAMTC-Tests wurde als besonders positiv bei den österreichischen Tunneln bewertet, dass im Brandfall sehr gute Aussichten bestehen, sich als Betroffener selbst retten zu können. „Das Lüftungssystem saugt den Rauch in der Nähe des Brandherdes aus dem Tunnel ab. So kann man in einer weitestgehend rauchfreien Atmosphäre über die gut gekennzeichneten Notausgänge und die Nachbarröhre flüchten“, erläutert ÖAMTC-Verkehrssicherheitsexperte David Nosé.

Notrufsäule statt Handy
Für Fahrten durch Tunnel haben Asfinag und Autofahrerclubs wichtige Tipps parat:

    • Vor der Einfahrt in den Tunnel auf Tempolimits und Sicherheitsabstand achten. Sonnenbrille abnehmen, Licht einschalten, Fenster schließen, Sender mit Verkehrsfunk einschalten.
    • Falls die Ampel rot ist, auf keinen Fall in den Tunnel einfahren.
    • Im Falle einer Panne: Eine Haltebucht ansteuern. In jedem längeren Tunnel gibt es alle 1000 Meter Pannenbuchten, in denen sich auch Notrufnischen befinden. „Wird die Notrufnische geöffnet, erkennen unsere Operatoren sofort Ihren genauen Standort und können so gezielt Hilfe schicken. Daher im Falle einer Panne bitte NICHT das Handy benützen, sondern einen Notruf absetzen“, sagt Günter Rattai vom Asfinag-Tunnelmanagement. Warnblinkanlage einschalten.
    • Im Falle eines Brandes im Tunnel: Auto abstellen, Schlüssel stecken lassen, Fluchtwege aufsuchen, Notruf betätigen, Anweisungen folgen.
    • Falls das eigene Auto zu brennen beginnt: Auto abstellen in einer Pannenbucht oder auf der Fahrbahn, Notruf betätigen, mit Feuerlöscher versuchen, Brand einzudämmen, und sich über Fluchtwege in Sicherheit bringen.

Philipp Neuner, Kronen Zeitung

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