Sa, 20. April 2019
02.04.2019 12:23

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74% mehr als 2017

Attacken auf Muslime in Österreich nahmen stark zu

Die Meldungen zu rassistischen Aktionen gegen Muslime sind im vergangenen Jahr um fast drei Viertel angestiegen. Die Dokumentations- und Beratungsstelle Islamfeindlichkeit berichtete am Dienstag von 540 Vorfällen. Die Bandbreite reicht von Beschmierungen über Beschimpfungen bis hin zu körperlichen Attacken und Diskriminierung im Job. Die Mehrheit der Attacken findet im Internet statt.

Seit Tagen sorgt die Attacke einer älteren Frau auf eine junge Muslimin für Aufsehen: Die Dame beschimpft und bespuckt die Kopftuchträgerin - dabei wird sie gefilmt, das Video verbreitete sich rasend schnell im Netz.

Ein Einzelfall? Nicht wirklich, wie eine am Dienstagvormittag veröffentlichte Studie zeigt: Laut dieser nahmen die Attacken auf Muslime im vergangenen Jahr um 74 Prozent zu. Der Report dokumentierte 2018 insgesamt 540 islamfeindliche Fälle - im Jahr zuvor waren es noch 309 gewesen. Vor allem im Jänner, als rassistische Kommentare ein muslimisches Neujahrsbaby betrafen, registrierte die Dokustelle eine Steigerung bei den Meldungen.

Vor allem Beschimpfungen, aber auch körperliche Attacken
Der größte Teil der im vergangenen Jahr registrierten Fälle betrifft Hate Speech, also sprachliche Verunglimpfungen oder Verhetzung, mit fast der Hälfte (46 Prozent). In 89 Fällen (17 Prozent) wurden Beschmierungen gemeldet, 76-mal verbale Angriffe (14 Prozent). Diskriminierungen wurden 34-mal wahrgenommen, Hate Crime, also tatsächliche rassistische Straftaten, elfmal (zwei Prozent).

In vier von fünf Fällen sind Frauen die Opfer der Angriffe, doch gibt es bei den Männern eine starke Steigerung: Waren es 2017 noch zwei Prozent gewesen, stieg der Anteil nun auf 17 Prozent. Die meisten Fälle wurden in Wien dokumentiert, dahinter folgen Niederösterreich und die Steiermark.

Viele wissen gar nicht, dass strafrechtliche Konsequenzen drohen
Den Verfassern der Studie zufolge ereignet sich mehr als die Hälfte der Vorfälle im Netz - dabei wüssten die meisten Verfasser islamfeindlicher Attacken wohl nicht, dass es sich um strafrechtlich relevante Angriffe handelt.

Brief der Justiz an „Islamistische Glaubensgemeinschaft“
Kritik übten die Verantwortlichen der Dokustelle auch an Politikern. So nehme man immer öfter eine Vermengung der Begriffe islamisch und islamistisch wahr, so Elif Adam, die am Bericht mitgearbeitet hat - etwa in der politischen Diskussion über vorwiegend von Muslimen besuchte Kindergärten. Eine Moscheengemeinde habe zudem einen Brief der österreichischen Justiz erhalten - adressiert mit „Islamistische Glaubensgemeinschaft".

Kronen Zeitung/krone.at

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