Falsch behandelt

„Migräne“-Diagnose war fast Tamaras Todesurteil

Oberösterreich
29.03.2019 09:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Tamara K. (23) aus dem oberösterreichischen Oberneukirchen hat trotz ihres jungen Alters einen enormen Leidensweg hinter sich: Sie kam mit einem Wasserkopf zur Welt, musste seither zahlreiche Operationen über sich ergehen lassen. Im Februar traten wieder gravierende Beschwerden auf, die einen Eingriff erforderlich machten. K. wirft Ärzten im NeuromedCampus Linz vor, das spät erkannt zu haben.

„Es war am 6. Februar im Büro, als ich rasende Kopfschmerzen gekriegt hab’ und mich übergeben musste“, erzählt Tamara K. Aufgrund ihrer medizinischen Vorgeschichte ahnte sie, dass die Drainage zur Flüssigkeitsableitung in ihrem Kopf verstopft sei. „Ich hab’ im NeuromedCampus angerufen, und um Aufnahme gebeten, weil dort auch meine Krankenakte aufliegt“, so die 23-Jährige.

Überweisung verlangt
Das wurde ihr mit dem Hinweis, dafür sei eine Überweisung vom Hausarzt nötig, verwehrt. Dazu fehlte K. aber die Kraft. Sie wurde um 9 Uhr ins Ordensklinikum Linz gebracht, wo auf der neurologischen Notaufnahme eine Computertomografie und eine Augenuntersuchung gemacht wurden: „Die CT war sinnlos, weil damit Wasser nicht gesehen wird.“ Ein Augenarzt stellte erhöhten Druck fest. Gegen 18 Uhr wurde K. dann doch in den NeuromedCampus überstellt: „Dort hat mich eine Ärztin nicht zu Wort kommen lassen und gemeint, ich hab’ Migräne.“

Vierstündige Operation
Mit Schmerzmitteln vollgepumpt wurde sie heimgeschickt, wo der Druck im Kopf unerträglich wurde. Ihre Mutter brachte sie am 7. Februar ins Spital, wo endlich auch eine Druckdiagnose durchgeführt und die Gefahr erkannt werden konnte. Am 8. Februar erfolgte eine vierstündige Operation. Zu dem Zeitpunkt hatte K. schon Doppelbilder gesehen. „Es war 5 vor 12“, erklärte ein Chirurg im Anschluss den Eltern. Als er Tamaras Kopf aufgeschnitten habe, sei ihm das Wasser direkt entgegengespritzt.

„Der Druck zerstört das Gehirn, hätte man nichts gemacht, wäre ich entweder behindert oder tot“, sagt K. Neurochirurgie-Vorstand Andreas Gruber ist anderer Meinung: „Es handelte sich um keinen akuten Eingriff. Wir sind sehr froh, dass es der Patientin gut geht.“ Seit 6. Februar ist K. bereits im Krankenstand, am 8. April muss die 23-Jährige eine Reha antreten: „Ab 7. Mai will ich endlich wieder arbeiten.“

Jürgen Pachner/Kronen Zeitung

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