Erster Prozess

Prüfungsschwindel bei Deutschtests für Ausländer

„Sprache ist für Integration sehr wichtig, um am Leben teilzuhaben“, sagt die Staatsanwältin. Ob die Angeklagte verstanden hat, wovon die Frau im Talar spricht, mag bezweifelt werden. Der 54-Jährigen wird vorgeworfen, sich einen positiven Deutschtest beim Österreichischen Integrationsfonds erschwindelt zu haben.

Ohne Dolmetscher geht gar nichts in der Verhandlung vor der Linzer Richterin Eva Lena Höpfl. Dabei hat die Angeklagte 2016 den Deutschtest beim Österreichischen Integrationsfonds in der Stufe B1, entspricht Pflichtschulniveau, positiv abgeschlossen.

400 Euro Bestechungsgeld
Laut Strafantrag hat sie einer Prüferin 400 Euro dafür bezahlt, dass diese Fehler bei den beantworteten Fragen ausbessert. Anschließend haben sich die Frauen in einem Café getroffen, wo die Angeklagte den zum Test gehörenden Aufsatz, es ging um ein Bewerbungsschreiben, verbessert hat.

Anonyme Anzeige
Nur Letzteres gibt die Türkin zu. Die Fragen habe sie selbst ausgebessert. Bei 25 der insgesamt 45 Fragen wurde, so die Richterin, radiert. Auch jene Sprachlehrerin, die den Prüfungsskandal durch eine anonyme Anzeige aufgedeckt hat, bezweifelt, dass die Angeklagte das alleine geschafft hat. „Das geht sich schon zeitlich nicht aus.“ Ihr waren schon 2012 Zweifel gekommen, ob bei den Tests alles mit rechten Dingen zugeht. „Manche der Prüflinge waren bei mir im Kurs. Ich wusste, dass sie nicht richtig lesen können. Dann haben sie die B1-Prüfung geschafft.“

Angeklagte leugnet
Die Angeklagte bleibt auch dabei, dass kein Geld geflossen sei. Von einer Telefonüberwachung durch die Polizei wird das allerdings widerlegt.

Prozess gegen Prüferin
Da die Drahtzieherin des Prüfungsschwindels, gegen die in 68 Fällen ermittelt wurde, als Zeugin nicht erschienen ist, wurde der Prozess vorerst vertagt. Die Prüferin (43) erwartet zusammen mit jenen Personen, die ihr Kunden vermittelt haben, ein eigener Prozess. Er startet am 8. April.

Claudia Tröster, Kronen Zeitung

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