Di, 26. März 2019
12.03.2019 07:12

Boeing-Softwareproblem

Neue Details: Die letzten Minuten des Todesflugs

Nach dem Boeing-Absturz in Äthiopien kommen immer mehr Details zum Todesflug ans Licht. So brach der Kontakt zur Maschine bereits drei Minuten nach dem Start in Addis Abeba ab. Und: Boeing räumt nun ein Softwareproblem bei Maschinen des Typs 737 Max 8 ein. Eine „Verbesserung der Software“ in der 737-Max-Flotte solle „in den nächsten Wochen“ erfolgen, teilte der US-Flugzeughersteller am Montagabend mit. Auch ein Luftfahrtexperte äußerte den Verdacht, dass die Software kurz nach dem Start der Maschine ohne sichtbaren Grund eingegriffen habe - eine „ins Auge stechende“ Ähnlichkeit zu einem Absturz desselben Boeing-Typs im Oktober.

Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der erfahrene Pilot am Sonntag nur drei Minuten nach dem Start von Flug ET302, der von Addis Abeba in die kenianische Hauptstadt Nairobi gehen sollte, einen Notruf abgesetzt, Probleme gemeldet und um Erlaubnis zur Rückkehr auf den Bole International Airport in der äthiopischen Hauptstadt gebeten. Dafür bekam er grünes Licht. Dann riss der Kontakt ab. Kurze Zeit später stürzte die Maschine nahe der Stadt Bishoftu rund 60 Kilometer südöstlich von Addis Abeba ab.

Eine Grafik zeigt den von Experten rekonstruierten Verlauf des Dramas in Äthiopien:

Softwareproblem: US-Luftfahrtbehörde macht Druck auf Boeing
Erst am Montagabend teilte Boeing schließlich mit, dass man bei Maschinen des Typs 737 Max 8 ein Softwareproblem festgestellt habe - kurz nachdem die US-Luftfahrtbehörde FAA mitgeteilt hatte, dass Software- und Systemänderungen an dem Modell 737 Max 8 erforderlich seien, die man bis April erwarte. Konkret geht es um ein Programm zur Fluglagestabilisierung (MCAS), bei dem es durch falsche Sensordaten zu Problemen kommen kann. Deshalb müssten laut FAA aber nicht alle Maschinen dieses Typs vorerst am Boden bleiben.

Weiters teilte die US-Luftfahrtbehörde mit, eigenes Personal und Mitarbeiter der US-Transportsicherheitsbehörde NTSB seien nach Äthiopien entsandt worden, um die dortigen Behörden bei der Suche nach der Unglücksursache zu unterstützen. „Alle Daten werden während dieser Untersuchung sorgfältig geprüft und die FAA wird geeignete Maßnahmen ergreifen, wenn die Daten darauf hindeuten, dass dies erforderlich ist“, hieß es.

Experte: Parallelen, „die ins Auge stechen“
Der deutsche Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt äußerte am Montag im ORF-Radio den Verdacht, dass ein Softwareproblem an den beiden Unglücken - erst im vergangenen Oktober war eine Maschine desselben Boeing-Typs ebenfalls nur wenige Minuten nach dem Start in der indonesischen Hauptstadt Jakarta abgestürzt - schuld sein könnte. Bei den Vorfällen seien Ähnlichkeiten aufgefallen, „die ins Auge stechen“. Die Software dürfte demnach kurz nach dem Start ohne sichtbaren Grund eingegriffen und die Nase der Maschine nach unten gedrückt haben.

In den neuen Typ Boeing 737 Max wurde eine zusätzliche Software eingebaut, die dafür sorgt, dass die Flugzeugnase nicht zu hoch genommen wird. Diese dürfte sich eingeschaltet haben, obwohl die Maschine im Steigflug war, meinte Großbongardt. Die Piloten hätten „ziemlich verzweifelt versucht“, die Nase nach oben zu nehmen. Und als dies gelang, habe die Software wieder eingegriffen und die Nase heruntergedrückt.

Boeing: „Die 737 Max ist ein sicheres Flugzeug“
„Was die Piloten nicht getan haben, was relativ einfach ist: diese Software, dieses System, einfach zu deaktivieren“, so Großbongardt. „Das ist mehr oder weniger nur ein Knopfdruck.“ Auch Boeing betonte am Montagabend, dass die Piloten „immer in der Lage sind, die Flugkontrolle manuell außer Kraft zu setzen“ - die 737 Max sei „ein sicheres Flugzeug“.

Start- und Landeverbot in mehreren Ländern
Nach dem Unglück mit 157 Todesopfern, unter ihnen drei Österreicher, beschlossen am Montag China, Indonesien, Südkorea sowie Äthiopiens nationale Fluggesellschaft und eine Reihe weiterer Airlines wie die mexikanische Aeromexico oder die brasilianische Gol, Boeings modernisierten Mittelstreckenjet vorerst am Boden zu lassen. Am Dienstag hieß es dann auch aus Australien und Singapur, dass auf den Flughäfen der beiden Länder bis auf Weiteres keine Passagiermaschinen dieses Typs mehr starten und landen dürfen.

Bisher keine klare Reaktion der Luftfahrtbranche
Eine klare und einheitliche Reaktion der Luftfahrtbranche gibt es bisher allerdings nicht. Andere Airlines, darunter die großen US-Gesellschaften American und Southwest sowie die norwegische Norwegian, fliegen die Maschinen weiter. Auch die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) erteilte vorerst kein Startverbot. Verkehrsminister Norbert Hofer verwies auf die Zuständigkeit der EASA und meinte, dass in Österreich einem Flugzeug nur dann der Start verwehrt werden kann, wenn bei einem Check auf einem österreichischen Flughafen ein gravierender Mangel festgestellt worden sei.

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