Fr, 22. März 2019
07.03.2019 16:29

Grazer Studie zeigt:

Zu viel Raumhygiene fördert Resistenzen von Keimen

Bakterien oder Pilze finden immer wieder Wege, um die Wirkung von antibiotisch aktiven Substanzen abzuschwächen oder gar zu neutralisieren. Solche sogenannten Antibiotika-Resistenzen werden gefördert, wenn Antibiotika nicht richtig angewendet werden - aber auch durch übertriebene Raumhygiene, wie Forscher der Technischen Universität (TU) Graz nun herausgefunden haben.

Bakterien eilt zwar der Ruf als Krankheitserreger voraus, doch sie gefährden nicht grundsätzlich unsere Gesundheit: Ein ausgewogenes Mikrobiom - also die Gesamtheit der den Menschen besiedelnden Mikroorganismen - sorgt dafür, dass aggressive, krankmachende Erreger nicht ungehindert in den Körper eindringen können.

Durch den Einsatz von Antibiotika kann diese schützende Balance verloren gehen. Die Forscher haben in der von Gabriele Berg (Institut für Umweltbiologie der TU Graz) initiierten Studie untersucht, wie das Ausmaß von Reinigungs- und Hygienemaßnahmen in verschiedenen gebauten Umgebungen die Entwicklung der Keime und insbesondere der resistenten Keime beeinflusst.

Konkret hat das Team das Mikrobiom sowie das Resistom (also die Gesamtheit aller Antibiotika-Resistenzgene der jeweiligen mikrobiellen Flora, Anm.) an der Intensivstation der Grazer Uniklinik für Innere Medizin unter die Lupe genommen. Dieses haben sie mit stark kontrollierten Reinräumen der Luft- und Raumfahrtindustrie und mit alltäglichen Wohnräumen verglichen.

Hohes Hygieneniveau - mehr Resistenzen
Dabei habe sich gezeigt, dass die Räume mit hohem Hygieneniveau mit einem Verlust der mikrobiellen Vielfalt einhergingen, so die Forscher. Der Verlust der mikrobiellen Diversität (Vielfalt) stehe aber auch in einer Korrelation mit einem Anstieg der Resistenzen.

„In stark mikrobiell kontrollierten Umgebungen der Intensivstation und der industriell genutzten Reinräume finden sich vermehrt Antibiotika-Resistenzen, die ein hohes Potenzial aufweisen, sich mit Krankheitserregern zu verbinden“, hob Studienleiter Alexander Mahnert hervor.

Die Forscher schließen daraus, dass eine stabile mikrobielle Vielfalt in klinischen Bereichen der Ausbreitung von Resistenzen entgegenwirken kann. Eine weitere Strategie zur Erhaltung der mikrobiellen Vielfalt in der gebauten Umgebung des Menschen zu erhalten, sei die Reduktion von antibakteriellen Reinigungsmitteln, so die Grazer Experten.

Regelmäßig lüften erhöht mikrobielle Vielfalt
Die „mikrobielle Kontrolle von Krankheitserregern“ werden schon an Kulturpflanzen und auch an Menschen im Rahmen von Stuhltransplantation erfolgreich angewendet, „unsere Studie ist eine erste Basis dafür, solche Ideen künftig auch in Innenräumen zu verfolgen“, resümierte Berg. Eine einfache Lösung zur Erhöhung der mikrobiellen Vielfalt bestehe darin, den Luftaustausch mit der Außenumgebung durch regelmäßige Fensterlüftung zu erhöhen, so die Autoren.

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