„Politischer Prozess“

Spannung vor Urteil gegen NGO-Kapitän

Ausland
02.03.2019 11:00

Weil sein Schiff nicht korrekt registriert gewesen sein soll, steht der deutsche Kapitän Claus-Peter Reisch in Malta vor Gericht. Der 57-Jährige, der im Sommer des Vorjahres mit seinem Rettungsschiff Lifeline in die Schlagzeilen geraten war, sieht allerdings einen „politischen Prozess“ gegen sich und seine Dresdner NGO Mission Lifeline, die seit 2016 Hunderte Menschen vor dem Ertrinken im Mittelmeer gerettet hat. Die Lifeline hatte im Juni 234 Flüchtlinge vor der libyschen Küste aufernommen und war danach tagelang über das Mittelmeer geirrt, weil Italien und Malta zunächst ein Anlegen verweigerten. Schließlich durfte das Schiff in Malta anlegen, wurde aber von den Behörden beschlagnahmt. Im März könnte es in dem Prozess ein Urteil geben.

Das Urteil hätte eigentlich schon im Jänner gesprochen werden sollen. Allerdings beantragte der Angeklagte eine Verschiebung, damit er sich um seine kranke Mutter kümmern kann. Derzeit hält sich Reisch in Deutschland auf. Doch in Gedanken ist er stets auch beim Prozess in Malta. Zumal seine Anwälte sich auch gegen falsche Vorwürfe wehren müssen. So wurden im Jänner Meldungen verbreitet, wonach sich Reisch wegen Schleuserei verantworten müsse. Diese wurden aber mittlerweile richtiggestellt.

(Bild: AP)
(Bild: facebook.com)
Aktivisten der NGOs Sea-Watch und Mission Lifeline machen vor dem Gericht in Valletta auf das Sterben im Mittelmeer aufmerksam. (Bild: AP)
Aktivisten der NGOs Sea-Watch und Mission Lifeline machen vor dem Gericht in Valletta auf das Sterben im Mittelmeer aufmerksam.

„Es geht lediglich um einen blauen Zettel“
„Angeklagt bin ich, weil man mir vorwirft, dass das Schiff nicht richtig registriert sei. Bei dem ganzen Schmierentheater geht es also - salopp gesagt - um einen blauen Zettel, und ob der gültig ist oder nicht“, schilderte der Deutsche Kapitän schon im Juli des Vorjahres den Kern des Strafprozesses gegen sich in einem Interview mit der Schweizer Nachrichtenseite watson.ch. An ihm solle ein Exempel statuiert werden - als Abschreckung für alle Seenotretter, erklärte Reisch weiter und betonte, dass er nicht mit Schleppern zusammengearbeitet habe.

Flüchtlinge von der Lifeline, die unmittelbar nach dem Anlegen in Polizeigewahrsam genommen wurden (Bild: APA/AFP/Matthew Mirabelli)
Flüchtlinge von der Lifeline, die unmittelbar nach dem Anlegen in Polizeigewahrsam genommen wurden

Seine Arbeit, Menschenleben zu retten, setzt Reisch auch aus Deutschland fort. Derzeit ist er auf Spendensuche, um ein neues Rettungsschiff beschaffen zu können. Die Lifeline ist ja nach wie vor von den maltesischen Behörden beschlagnahmt.

Kapitän bei Filmpräsentation in Graz
Zudem ist er derzeit ein gern gesehener Studiogast in Radio- und Fernsehsendungen. Reisch reiste kürzlich auch nach Graz, wo er bei der Weltpremiere eines Films über Mission Lifeline anwesend war. Auch das Elevate Festival hat er wohl bereits beehrt, denn auf Twitter richtete der 57-Jährige der ehemaligen US-Schauspielerin Pamela Anderson aus, dass sie sich dort treffen würden.

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